Er hat es nie bereut, nicht in die Politik gegangen zu sein. Dabei ist der Direktor vom Kölner Max-Planck-Institut für Gesellschaftsforschung, Fritz Wilhelm Scharpf, ein wahres Multitalent. Als promovierter Volljurist und gelernter Politik- und Verwaltungswissenschaftler kennt er die Probleme, mit denen sich die Politiker auseinander setzen müssen. „Die Misere liegt aber weniger darin, dass die Politiker nicht wüssten, was schief läuft, sondern vielmehr an ihrer Bewegungslosigkeit”, meint Scharpf. Als Sohn einer Gärtnerfamilie in Schwäbisch Hall war Scharpfs Weg in die Wissenschaft nicht vorherzusehen. Als er Rechts- und Politikwissenschaften in Tübingen und Freiburg studierte, plante er eine Karriere im Staatsdienst. Doch es kam anders: Mit einem Fulbright-Stipendium in der Tasche ging er 1955 nach Yale, wo er 1964 eine Assistenzprofessur erhielt. Doch dann zog es ihn zurück nach Freiburg, wo ihm 1969 die neu gegründete Universität Konstanz eine Professur für Politikwissenschaft anbot. Hier war interdisziplinäres Arbeiten gefragt: eine Mischung aus Sozialwissenschaften, Politik-, Rechts- und Wirtschaftswissenschaften. 1973 wechselte Scharpf nach Berlin, wo er als Direktor des Internationalen Instituts für Management und Verwaltung seine Kontakte zur Politik ausbaute. 1986 kam schließlich das Angebot, das Kölner Max-Planck-Institut für Gesellschaftsforschung mit aufzubauen. Inzwischen zählt Scharpf zu den renommiertesten Sozialwissenschaftlern in Europa. Im November vergangenen Jahres erhielt der Wissenschaftler den mit 15 000 Euro dotierten Schader-Preis, der für Beiträge zur Lösung aktueller gesellschaftlicher Probleme verliehen wird.
Hans Groth




