Weltweit verlassen Menschen ihre Heimat und ziehen in andere Regionen oder Länder. Die Ursachen dafür sind vielfältig: Manche fliehen vor Kriegen und Unterdrückung, für manche macht der Klimawandel ihre Herkunftsregion zunehmend unbewohnbar, und manche erhoffen sich bessere wirtschaftliche Bedingungen in der Ferne. Für die Zielländer dieser Migration kann die Zuwanderung Vorteile mit sich bringen, darunter eine höhere Produktivität durch mehr Arbeitskräfte. Es stellt jedoch auch die gesellschaftliche Infrastruktur und das Sozialsystem vor Herausforderungen. Bislang wurde die Zu- und Auswanderung vor allem auf Länderebene erfasst. Um jedoch Migrationsbewegungen im Detail analysieren zu können, wären Daten auf regionaler und globaler Ebene erforderlich.
Migration auf regionaler Ebene
„Es bestand ein echter Bedarf an einem solchen Datensatz, aber er existierte nicht“, sagt Venla Niva von der Aalto Universität in Finnland. „Also haben wir beschlossen, ihn selbst zu erstellen.“ Für über 2000 Verwaltungskreise in 216 Ländern weltweit kombinierte ihr Team die Geburts- und Sterberaten mit der allgemeinen Bevölkerungsentwicklung und berechnete so, welchen Anteil die Migration hat. Ihre Daten fassten die Forschenden in einer interaktiven Karte zusammen, die für den Zeitraum zwischen 2000 und 2019 für jede Region die jährliche Nettomigration anzeigt, also das Ergebnis von Zu- und Abwanderung.
Erste Auswertungen der Daten zeigten komplexe Muster. Beispielsweise trifft die verbreitete Annahme, dass Menschen aus ländlichen Regionen in die Städte ziehen, nur teilweise zu. „Es gibt die weit verbreitete Meinung, dass die städtischen Gebiete die Menschen aus den ländlichen Gebieten anziehen, aber das war nicht überall der Fall. Es gibt zum Beispiel viele Orte in Europa, wo das Gegenteil der Fall ist“, sagt Nivas Kollege Matti Kummu. „Auch in Teilen Indonesiens, des Kongo, Venezuelas und Pakistans war eine Migration von den Städten in ländliche Gebiete zu beobachten, und bei einer Analyse auf der Ebene der Gemeinden wird das Bild noch komplexer.“ Insgesamt lebt der Analyse zufolge ein Drittel der Weltbevölkerung in Provinzen, in denen ländliche Gebiete mehr Zu- als Abwanderung aufweisen.
Sozioökonomische Faktoren als Indikator
Auf der Suche nach Ursachen für regionale und weltweite Wanderungsbewegungen kombinierten Niva und ihr Team ihren Datensatz mit weiteren Informationen. Für Rückschlüsse auf sozioökonomische Faktoren nutzten sie den Human Development Index (HDI) der Vereinten Nationen. Dieser bezieht unter anderem das Bruttonationaleinkommen, die Lebenserwartung und die durchschnittliche Schulbesuchsdauer ein und gibt so einen Überblick über den Wohlstand eines Landes. Um klimabedingte Migrationsursachen zu erfassen, wählten die Forschenden den globalen Trockenheitsindex, der Niederschläge, Verdunstung und Trockenheit weltweit erfasst.





