Zahlreiche Studien haben sich bereits der Frage gewidmet, in welchen Ländern und unter welchen Umständen Menschen am glücklichsten sind. So veröffentlicht beispielsweise der World Happiness Report der Vereinten Nationen Jahr für Jahr ein Länderranking, basierend auf Befragungen zur individuellen Zufriedenheit. Dabei werden allerdings in jedem Jahr unterschiedliche Menschen befragt, sodass Längsschnitt-Auswertungen nicht möglich sind. Zudem differenziert die Befragung nicht zwischen verschiedenen Dimensionen des Glücks – etwa gesundheitliche, soziale und finanzielle Aspekte – sondern erhebt nur eine übergeordnete Bewertung.
Vermessung des Glücks
Um eine differenzierte Betrachtung zu ermöglichen, hat ein Team um Tyler VanderWeele von der Harvard University in Cambridge in Massachusetts die Global Flourishing Study ins Leben gerufen. Unter Flourishing verstehen die Forschenden einen umfassenden Zustand des Wohlbefindens, der alle Lebensbereiche einer Person umfasst – darunter gute Gesundheit, stabile soziale Beziehungen, finanzielle Sicherheit, einen Sinn im Leben und ein subjektives Gefühl der Zufriedenheit. Zu diesen Faktoren haben VanderWeele und seine Kollegen mehr als 200.000 Menschen aus 22 kulturell und geografisch unterschiedlichen Ländern der Welt befragt.
Zusätzlich zu den abgefragten Dimensionen des Glücks erhoben die Forschenden zahlreiche soziodemografische Faktoren, darunter Alter, Bildungsstand, Beschäftigungsverhältnis, Beziehungsstatus und Religiosität. Zudem befragten sie die Teilnehmenden zu ihrer Kindheit. „Die Global Flourishing Study zielt darauf ab, Erhebungen wie den World Happiness Report zu ergänzen und zu erweitern, indem sie sowohl Längsschnitt-Paneldaten über dieselbe Personenkohorte im Laufe der Zeit bereitstellt als auch ein breiteres Spektrum an Bewertungen des Wohlbefindens oder der Lebensqualität bietet“, erklärt das Forschungsteam. Über fünf Jahre hinweg – von 2022 bis 2027 – werden im Rahmen dieser Erhebung dieselben Personen Jahr für Jahr befragt.
Geringes Wohlbefinden bei jungen Menschen
Die Ergebnisse der ersten Erhebungswelle haben VanderWeele und sein Team nun ausgewertet. Viele Befunde stimmen mit früheren Untersuchungen überein. So geben Menschen, die einen Job haben, verheiratet sind und regelmäßig an religiösen Veranstaltungen teilnehmen, in den meisten Ländern durchschnittlich eine höhere Lebenszufriedenheit an. Beim Alter hingegen unterscheiden sich die aktuellen Ergebnisse von bisherigen Erhebungen. So kommt die Global Flourishing Study zu dem Ergebnis, dass die Lebenszufriedenheit in den meisten Ländern mit zunehmendem Alter ansteigt. Frühere Studien hatten dagegen einen U-förmigen Verlauf der Zufriedenheit im Laufe der Lebensspanne nahegelegt.





