Zahlreiche Studien kreisen um die Hilfsbereitschaft der Menschen
Wer den Untersuchungsergebnissen von Martin Nowak folgt, einem Biomathematiker, der in Österreich geboren wurde und an der Harvard University forscht, könnte zu dem Schluss kommen, dass es das Helfergen wirklich gibt. Nowak konnte einen sogenannten Phänotyp nachweisen. Forscher, die in der Schweiz und in Österreich forschten, wollen evolutionäre Wurzeln hilfsbereiter Menschen entdeckt haben und David Rand, der an der Yale University tätig ist, ging dem Zusammenhang von Egoismus, Kooperationsfähigkeit und Wettbewerbsorientierung nach. Das Ergebnis: Diejenigen, die sich beim Spielen kooperativ zeigten, würden auch in der realen Welt besonders hilfsbereit agieren. So weit. So logisch.
Aus den Reihen der Hirnforscher tut sich eine andere Argumentationslinie auf, die der Idee folgt, dass Moral und altruistisches Vorgehen tief im Inneren von einer Eitelkeit geleitet seien. Den Forschern zufolge löse jede gute Tat im Kopf eine Kettenreaktion aus, die in einem Glücksgefühl münden könnte. Ähnliches ließe sich bei beim Konsum von Musik, beim Sex, aber auch beim Genuss von Schokolade nachweisen. Etwas Gutes zu tun, hebt also die Stimmung ebenso wie der Genuss. Und genau diese Tatsache könnte sich positiv auf das Zusammenleben, das Engagement in Vereinen oder auch auf die Arbeitswelt auswirken.
Ist Hilfsbereitschaft anerzogen oder liegt der Altruismus in den Genen?
Wer dem Kollegen hilft, obgleich die eigene Projektdeadline naht, handelt ebenso altruistisch wie eine Tochter, die ihre an Demenz erkrankte Mutter pflegt und dabei Beschimpfungen in Kauf nimmt. Darwin, der die Evolutionstheorie formulierte, scheint bei diesem Ansatz passé. Stattdessen ließe sich mit Blick auf die Evolution wohl durchaus nachweisen, dass der pure Egoismus, der dazu verleiten könnte, nach mehr zu streben, im Scheiden begriffen ist. Oder konzentriert er sich nur auf einige, wenige?
Darwin und auch Richard Dawkins verwehren sich der Idee vom hilfsbereiten Menschen und erklären die menschliche Spezies eher zu Überlebensmaschinen, die auf Selbsterhalt programmiert seien. Statt einem Helfergen spricht Dawkins vom „egoistischen Gen“, dem er sogar ein Buch gewidmet hat. Würde man dieser Argumentation folgen, liege der Schluss nahe, dass Moral und Hilfsbereitschaft lediglich anerzogen seien und hilfsbereites Verhalten keine Diktatur der Gene sei. Durch das empathische Engagement für andere gerate dann jedoch häufig der Gedanke an die eigene Zukunft ins Hintertreffen, was auch bedeutet: Wer sein Leben ausschließlich anderen widmet, läuft Gefahr, keinen ebenso tickenden Nachwuchs in die Welt zu setzen.





