Sein Buch zeichnet ein Bild des adaptiven Unbewussten, das hinter dem Rücken des Verstandes permanent soziale Beziehungen analysiert, Lebenspläne entwirft, Vorlieben kultiviert und intuitive Entscheidungen fällt. Die Arbeit dieses Räderwerkes ist durch einen Schleier des Nichtwissens verhängt und der Selbstbeobachtung nicht zugänglich, auch nicht mit Schützenhilfe durch Psychoanalytiker. Die Gründe unseres Handelns, die wir selbst gewahr werden, sind nicht viel mehr als nachträgliche Rechtfertigungen und Deutungen.
Die Folgen dieser Sichtweise sind radikal: Der Mensch ist sich selber fremd. Wer lang und breit über seine Entscheidungen grübelt, trifft am Ende oft eine schlechtere Wahl als jemand, der munter aus dem Bauch agiert. Die Demontage der Selbsterkenntnis ist so gründlich, dass sich unweigerlich die Frage stellt, warum wir sie überhaupt verfolgen sollten außer um unsere Neugier zu befriedigen.
Rolf Degen




