Aus Studien der letzten Jahre geht bereits klar hervor: Es gab fruchtbare Techtelmechtel zwischen dem modernen Menschen und seinen einst noch parallel existierenden Cousins. Als der Homo sapiens aus Afrika nach Europa und Asien einwanderte, vermischte er sich mit den dort bereits lebenden Menschenformen – mit den Neandertalern beziehungsweise den Denisova-Menschen. Diese Kreuzungen resultierten in ein paar Prozent von “archaischer” DNA im Erbgut der heutigen Europäer und Asiaten sowie in geringeren Spuren auch in Afrikanern, wie kürzlich eine Studie enthüllte. Die Ergebnisse basieren dabei auf direkten Vergleichen, denn das Erbgut des Neandertalers und des Denisova-Menschen ist in Funden erhalten geblieben und konnte deshalb rekonstruiert werden.
Gab es auch in Afrika Hybridisierungen?
Inwieweit auch bei den Vorfahren der heutigen Menschen Afrikas archaische Menschenformen mitgemischt haben, ist hingegen unklar. Ein Grund dafür ist, dass sich in dem heißen Klima keine Überreste von Erbgut in Funden von Homininen erhalten haben, die sich für genetische Vergleich eignen. Doch die moderne Genetik bietet mittlerweile alternative Nachweismöglichkeiten: Aus bestimmten Mustern im Erbgut von Menschen lassen sich zahlreiche Rückschlüsse über einstige Populationsentwicklungen gewinnen. So gab es schon vor der aktuellen Studie Berichte über genetische Hinweise auf archaische Menschenformen, die offenbar parallel mit modernen Menschen in Afrika existierten und sich mit ihnen mischten.
Arun Durvasula und Sriram Sankararaman von der University of California in Los Angeles präsentieren nun die bisher deutlichsten Hinweise auf diese geheimnisvollen Prozesse in der frühen Menschheitsentwicklung in Afrika. Sie nutzten eine spezielle Computer-Modellierungstechnik zur Analyse genetischer Sequenzen, um Stücken archaischer DNA im Erbgut heutiger Menschen auf die Spur zu kommen. Im Rahmen ihrer Studie untersuchten sie 405 Genome von den westafrikanischen Bevölkerungsgruppen der Yoruba und Mende. Sie verglichen die Analyseergebnisse dabei mit Untersuchungsergebnissen der Genome von Neandertalern und Denisovanern, deren archaische Signatur bekannt ist.
Die Spur einer Geister-Population
Wie die Wissenschaftler berichten, stießen sie bei den Westafrikanern auf genetische Sequenzen, die ebenfalls von archaischen Menschen stammten, die sich offenbar einst mit ihren Vorfahren gemischt haben. Demnach stammen 2 bis 19 Prozent des Erbguts der Yoruba und Mende von dieser mysteriösen archaischen Menschenform. Ihre Identität bleibt allerdings unklar. Den Forschern zufolge geht aus ihren Daten aber immerhin hervor, dass es sich um Homininen gehandelt hat, die sich bereits vor dem Neandertaler und dem Denisova-Mensch vom menschlichen Stammbaum abgespalten hatten. Möglicherweise erfolgte diese Auftrennung bereits vor einer Million Jahre.





