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Der Klimawandel trägt keinen Schnauzbart.“ Mit dieser einfachen Formel erklärte der Psychologe Daniel Gilbert von der Harvard University in den USA schon vor 15 Jahren die Schwierigkeiten der Menschheit, der Erderwärmung entschlossen entgegenzutreten. Wäre der Klimawandel ein brutaler Diktator, der versucht, uns zu…
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von JAN BERNDORFF
Der Klimawandel trägt keinen Schnauzbart.“ Mit dieser einfachen Formel erklärte der Psychologe Daniel Gilbert von der Harvard University in den USA schon vor 15 Jahren die Schwierigkeiten der Menschheit, der Erderwärmung entschlossen entgegenzutreten. Wäre der Klimawandel ein brutaler Diktator, der versucht, uns zu töten oder uns die Freiheit zu nehmen, würden wir ihn heroisch bekämpfen – zeitnah und alle miteinander. Hinzu kommt: Der Klimawandel geschieht nicht von heute auf morgen, sondern dreht uns langsam, über Jahrzehnte hinweg, die Gurgel zu. Das lässt uns zaudern.
Leider hat uns die Evolution auf eine Bedrohung wie den Klimawandel – so existentiell, aber gleichzeitig vage sie ist – nicht gut vorbereitet. Unser Gehirn wurde in der Menschheitsgeschichte auf andere Gefahren geprägt: Die meiste Zeit war ein Fremder mit einem Knüppel in der Hand die größte Bedrohung für uns und unsere Sippe. Daher unsere Skepsis gegenüber Fremden. Oder ein gefährliches Tier fiel über uns her, oder ein Baum auf unseren Kopf. Wir prüfen unsere Umgebung ständig auf akute Bedrohungen. „Unser Gehirn ist eine hervorragende Maschine, um unmittelbare, sich bewegende Gefahren schnell zu erkennen und ihnen auszuweichen, insbesondere, wenn sie von anderen Menschen ausgehen“, sagt Gilbert. Als soziale Wesen denken wir permanent über andere Menschen und ihre Intentionen nach. „Aber hinter dem Klimawandel steckt keine Person mit einer Intention. Er will uns nicht töten. Und er kommt nicht plötzlich. Das ist das Dumme.“
Überfordert oder handlungsfähig?
Der Klimawandel ist nur eine von mehreren globalen Krisen, mit denen die Menschheit zu kämpfen hat. Die Corona-Pandemie ist auch nach fast zwei Jahren noch nicht vorbei. Und Experten warnen, dass uns solche weltumspannenden Seuchen aufgrund der Globalisierung immer wieder treffen können – ob durch neue Krankheitserreger oder Varianten desselben Virus. Flüchtlingsbewegungen, die aus Kriegen, Armut und Umweltkatastrophen resultieren, werden in Zukunft zunehmen, zumal die Zahl der Menschen immer weiter wächst. Und schon heute sind wir damit überfordert.
Das Neue an diesen Krisen ist, dass sie alle Menschen auf dem Planeten betreffen. Es sind kollektive Krisen, die eine weltweite Koordination von Gegenmaßnahmen erfordern. Die große Frage ist, ob es angesichts unseres evolutionären Erbes gelingen kann, sie zu meistern. „Sind wir kollektiv handlungsfähig?“, fragt der Soziologe Armin Nassehi in seinem kürzlich erschienenen Buch „Unbehagen. Theorie einer überforderten Gesellschaft“.
Die Wissenschaft kann auf diese existentielle Frage natürlich keine definitiven Antworten geben, denn es geht um Projektionen in die Zukunft. Aber es gibt einige Studien und empirische Erkenntnisse in verschiedenen Forschungsdisziplinen, die Hinweise geben können.
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Harvard-Psychologe Daniel Gilbert nimmt mit seiner These zur Ursache unserer Untätigkeit eine evolutionspsychologische Position ein. Evolutionspsychologen erklären unsere heutigen Verhaltensmuster mit einer Art biologischem Programm. Die Evolution hat es uns Menschen im Lauf der Artentwicklung in die Gene geschrieben – feste, oft unbewusst ablaufende Routinen, die sich über viele Jahrtausende bewährt haben, indem sie den Arterhalt sicherten. Und diese sind uns heute oft im Weg, wenn wir uns den Herausforderungen der immer komplexer werdenden, modernen Welt stellen. Die Verhältnisse zueinander, die Aufgabenverteilung in der Gemeinschaft, Ernährung, Fortbewegung, Warenbeschaffung – die Aufgaben unseres Alltags sind nicht mehr so eindimensional, wie sie es lange waren. Industrialisierung, Globalisierung und Digitalisierung bieten uns seit wenigen Jahrzehnten Möglichkeiten und stellen uns gleichzeitig vor Probleme, die wir Hunderttausende von Jahren nicht kannten und an die wir uns entsprechend noch nicht anpassen konnten. Dazu gehören auch die neuen globalen Krisen, mit denen wir scheinbar nicht umgehen können – ob das der Klimawandel ist, die Flüchtlingsbewegungen weltweit oder eine Pandemie wie Corona.
Uralte Gewohnheiten
Dass wir diese Krisen intellektuell durchdringen, also verstehen und auch wissen, was wir dagegen tun oder wie wir damit umgehen können, spielt nur eine untergeordnete Rolle. „Wir sehen uns als Verstandstiere“, sagt der österreichische Evolutionsbiologe Kurt Kotrschal von der Universität Wien. „Aber der Unterbau sind 400 Millionen Jahre Evolution, von denen wir die meiste Zeit in einfachen Räuber-Beute-Kategorien gelebt haben. Das war der wichtigste Selektionsmechanismus und hat unser Gehirn geformt. Und diese Ur-Prägungen tragen eben auch bei, wenn wir heute Entscheidungen treffen. Nicht nur der rationale Neokortex.“ Wenn wir etwas als vernünftig erkennen – in diesem Fall etwa die Bekämpfung der Erderwärmung durch Klimaschutzmaßnahmen –, heißt das also noch lange nicht, dass wir es auch tun. Alte Gewohnheiten hindern uns sozusagen daran.
Zwar habe sich das Gehirn weiterentwickelt. Es versetzt uns heute in die Lage, unbekannte Gefahren vorherzusehen und Risiken für die Zukunft rational abzuwägen. „Sonst gäbe es weder Zahnseide noch private Altersvorsorge“, so Gilbert. Aber das sei ein vergleichsweise neuer Trick, und er befinde sich evolutionär gesehen noch in der Testphase.
Zu unseren Ur-Eigenschaften gehört auch das Bestreben, uns in Gruppen zu organisieren und von anderen Gruppen abzugrenzen. „Menschen sind identitätsversessen“, sagt der Anthropologe John Tooby, Leiter des Zentrums für Evolutionspsychologie an der University of California. Wir sind von Geburt an darauf geeicht, zwischen „wir“ und „sie“ zu unterscheiden, und bevorzugen das „Wir“ – vor allem, wenn wir uns bedroht fühlen. Das haben viele Experimente gezeigt.
Der britische Psychologe Robin Dunbar ermittelte Anfang der 1990er-Jahre sogar eine Gruppengröße, die dem Menschen am besten behagt: maximal 150 Personen. Dazu analysierte er die Gehirne und Gruppengrößen verschiedener Säugetiere und stellte Korrelationen fest. Die Größe des Neokortex identifizierte er als entscheidend: Die Menge der Neuronen in diesem für rationales Denken zuständigen Hirnareal bestimmt demnach die Verarbeitungskapazität für soziale Kontakte. So leben zum Beispiel Schimpansen, die einen größeren Neokortex haben, in größeren Gruppen als Lemuren. Wachsen Gruppen über die für ihre Spezies typische Grenze hinaus, zerfallen sie, weil die Individuen es nicht mehr schaffen, ihre Beziehungen zueinander zu koordinieren.
Der Mensch hat im Vergleich zu anderen Primaten den größten Neokortex – und liegt daher mit seinen bis zu 150 engen Beziehungen an der Spitze. Für Dunbars Zahl gibt es Belege: Sippen und Siedlungen von der Steinzeit bis zu den Naturvölkern der Gegenwart umfassen tatsächlich meist maximal etwa 150 Menschen. Das gilt auch für Kompanien beim Militär schon seit der Römerzeit. Und auch in Studien über die Zahl von Kontakten in sozialen Netzwerken taucht die Zahl auf, wenn man die Kontakte zählt, die auch wirklich gepflegt werden.
Doch eine schwedische Studie vom Mai dieses Jahres zieht Dunbars Zahl in Zweifel: Demnach ist die Spannbreite enger Kontakte bei Tieren wie beim Menschen so groß, dass eine einzelne Zahl kaum Sinn ergibt. Zudem, so Studienleiter Patrik Lindenfors von der Universität Stockholm, sei es nicht haltbar, kognitive Sozialfähigkeiten allein aus dem Volumen eines Gehirnteils abzuleiten. Berücksichtigt werden müssten weitere Einflussfaktoren auf die Gruppengröße von Primaten wie Nahrungsangebot und Bedrohung durch Raubtiere. Der Vergleich zu anderen Primaten hinkt ohnehin. „Deren Gehirne verarbeiten Informationen nicht genauso wie menschliche Gehirne“, sagt Lindenfors. Dennoch bleibt die Erkenntnis, dass der Mensch in solchen Zugehörigkeiten denkt. Kurt Kotrschal sagt: „Wir sind darauf geeicht, innerhalb einer Gruppe zu kooperieren und skeptisch gegenüber anderen Gruppen zu sein. Das ist unsere Natur.“
Es lässt sich also evolutionspsychologisch erklären, dass auf Konferenzen, auf denen sich Menschen verschiedener Nationen, Kontinente und Kulturen auf gemeinsame Ziele zum Klimaschutz einigen sollen, kaum Ergebnisse festgehalten werden. Und die wenigen werden auch nur sehr zögerlich umgesetzt. Man will den eigenen Vorteil nicht verspielen, scheut Kosten und Kooperationen zum Vorteil anderer, mit denen man wenig gemein hat – ja ideologisch womöglich sogar verfeindet ist. Das gilt auch bei der Verteilung von Impfstoffen, der Aufnahme von Flüchtlingen – und der Bekämpfung von Fluchtursachen.
Soziologen sehen zudem Hindernisse in der Struktur unserer modernen demokratischen Gesellschaft. Heinz-Jürgen Niedenzu von der Universität Innsbruck etwa glaubt, dass das System des Kapitalismus mit seinem kurzfristigen Denken und steten Streben nach Wachstum der Lösung einer globalen Krise wie dem Klimawandel entgegensteht: Verzicht zugunsten der Allgemeinheit sei da nicht vorgesehen. „Unternehmer sind sich zwar auch der Bedrohung bewusst, müssen aber gleichzeitig unter Konkurrenzbedingungen erfolgreich sein, um zu überleben. Da kommen zwei Ziele in Konflikt.“
Hinzu komme die Differenzierung der Gesellschaft. Soziologe und Buchautor Arnim Nassehi nennt diese sogar als Hauptgrund für die Problematik: „Die liberale Demokratie ist ein unglaublich erfolgreiches Modell“, erläutert er. Sie sei charakterisiert durch Gewalten- und Arbeitsteilung, Spezialisten haben die verschiedenen Aufgaben in der Gesellschaft übernommen, Unternehmen dürfen im Rahmen von Gesetzen frei handeln. Das alles ist sehr effizient, freiheitlich und habe zu enormer Leistungsfähigkeit und nie dagewesenem Wohlstand geführt. „Aber der Kollateralschaden ist, dass diese differenzierte Gesellschaft bei kollektiven Herausforderungen nicht so leicht handeln kann.“ Treffen Gruppen unterschiedlicher Interessen aufeinander, müssen sie sich auf ein gemeinsames Ziel und vor allem den Weg dorthin einigen. Das 1,5-Grad-Klimaziel zum Beispiel ist relativ klar – alle wollen den Planeten vor der Überhitzung retten – aber die Maßnahmen, wie das zu erreichen ist, sind umstritten. Denn da verfolgt wieder jede Gruppe ihre eigenen Interessen.
Fernmoral entwickeln
Gibt es also überhaupt eine Chance auf die Lösung der globalen Krisen? Die entscheidende Frage sei, so sagen Soziologen, Evolutionspsychologen und Gesellschaftsforscher unisono, ob wir eine Art Fernmoral entwickeln können. Wir müssten also bereit dazu sein, nicht nur innerhalb unserer Gruppen einander zu helfen und gemeinsam und koordiniert zu handeln, sondern auch mit völlig fremden Menschen anderer Kulturen und Ideologien. Kann sich die Menschheit als eine große Gruppe wahrnehmen, die trotz aller Differenzen an einem Strang zieht?
Ansätze dazu sind durchaus vorhanden, wie man etwa an der enormen Hilfs- und Spendenbereitschaft bei Katastrophen sieht. Ebenso sind die Klimagipfel als solche und die bislang getroffenen Vereinbarungen, internationale Handelsabkommen und Entwicklungszusammenarbeit Errungenschaften in diese Richtung.
Empathisch und kooperativ
Auch die Verhaltensforschung gibt Anlass zur Hoffnung. So untersucht etwa der niederländische Primatenforscher Frans de Waal seit Jahrzehnten Moral und Kooperationsbereitschaft bei unseren nächsten Verwandten, um daraus Rückschlüsse auf das ureigene menschliche Verhalten zu ziehen. „Unser Bild vom Menschen besagt, dass wir uns gegenüber anderen wie ein Wolf verhalten. Unsere Natur sei eher aggressiv, egoistisch und nur durch die Zivilisation gezügelt worden. Das ist aber schon allein dem Wolf gegenüber unfair, weil der ein sehr kooperatives Tier ist. Und auch Menschen sind viel empathischer und kooperativer als oft behauptet wird“, sagt de Waal. Genauso verhalten sich die Affen, die er auf der Yerkes Field Station der Emory University in Atlanta erforscht: In Videos von Experimenten sieht man, wie Schimpansen zusammenarbeiten, um an Belohnungen zu gelangen. Wenn sie die Wahl haben, dass nur sie selbst oder auch ihre Artgenossen eine Belohnung bekommen, wählen sie zumeist die Option für alle.
Sehr aufschlussreich für die Kooperation zwischen Menschen ist ein Experiment von Forschern um Jay Van Bavel, Neurobiologe an der New York University: Das Team zeigte Probanden Bilder anderer Menschen, die sie nach ihrer Hautfarbe in schwarz und weiß einteilen sollten. Gleichzeitig wurde mit einem fMRT-Gerät aufgezeichnet, welche Hirnareale beim Betrachten der Bilder aktiv waren.
Bei weißen Probanden reagierten der orbitofrontale Kortex, der für das Gefühl der Sympathie zuständig ist, und der für die Gesichtserkennung wichtige Gyrus fusiformis – und zwar vor allem dann, wenn Bilder von Weißen zu sehen waren. Bei dunkelhäutigen Probanden geschah dies bei Bildern von Dunkelhäutigen. Die Probanden fühlten sich demnach den Menschen gleicher Hautfarbe zugehörig, also als Gruppe – auch solche, die glaubhaft versicherten, keinerlei Bewusstsein für Rassen zu haben. Damit bestätigten sich ähnliche Experimente, wo etwa zwischen jungen und älteren oder männlichen und weiblichen Gruppen unterschieden wurde. Offenbar kann der Mensch nicht anders, als sich nach solchen Merkmalen anderen zugehörig zu fühlen.
Der Clou: Die Forscher teilten die Probanden anschließend willkürlich in zwei Gruppen ein – „Leoparden“ und „Tiger“ – und teilten ihnen mit, welcher Gruppe sie angehören. Wenn die Probanden nun Bilder von Gesichtern gezeigt bekamen, wurde der oder die Gezeigte auch jeweils als Leopard oder Tiger identifiziert. Die Probanden bekamen die gleichen Bilder immer wieder zu sehen, bis sie auswendig wussten, wer zu ihrer und wer zur anderen Gruppe gehörte. Und tatsächlich: Der Gehirnscan offenbarte nun Sympathien für die Mitglieder dieser neuen eigenen Gruppe – unabhängig von Hautfarbe, Geschlecht oder Alter.
Van Bavels Experiment und viele ähnliche beweisen: Wir sind identitätsversessen, aber wir sind auch in der Lage, uns neuen Gruppen zugehörig zu fühlen – sogar Gruppen, die eigentlich keine Bedeutung für uns haben und deren Zugehörigkeit uns von außen diktiert wird. „Unser Gehirn“, so bestätigt der Göttinger Hirnforscher Gerald Hüther, „ist nicht festgefahren, sondern zeitlebens plastisch und verformbar. Wir können uns von unseren gesellschaftlichen Gewohnheiten lösen. Das unterscheidet uns von Hase und Igel, die in ihrem Verhalten festgelegt sind.“ Während Tiere sich nur evolutionär an veränderte Lebensumstände anpassen können, können wir Menschen dies auch kulturell tun.
Globales Gemeinschaftsgefühl
Die Krux liegt demnach darin, dass die Menschheit sich zur Bewältigung globaler Krisen auch global als Gemeinschaft fühlen müsste. Hüther weist aber darauf hin, dass eine solche kulturelle Neuausrichtung nicht vorgegeben werden kann. Sie müsse von den Menschen selbst ausgehen. „Durch das Lesen von Büchern und Hören von Argumenten ändert sich im Gehirn gar nichts. Es sind Erfahrungen, die uns vornehmlich prägen.“ Das bestätigt Soziologe Armin Nassehi: „Wir müssen von dem akademischen Selbst-Missverständnis wegkommen zu glauben, dass es reicht, den Menschen gute Gründe zu nennen, warum sie ihr Verhalten ändern und alte Gewohnheiten aufgeben sollten.“ Schon Kinder verhielten sich selten aus Einsicht anders. Vielmehr nähmen sie Neues vor allem dann an, wenn es sich bewährt.
Doch wie gelangen Menschen zu der Überzeugung, es einfach mal auszuprobieren, auf Flüchtlinge zuzugehen oder einen nachhaltigen Lebensstil zu pflegen? Man muss, so Nassehi, Arrangements finden, in denen sich das zukunftsfähige Verhalten schon heute bewähren kann. Für die Klimaproblematik zum Beispiel könne dies über das 1,5-Grad-Ziel hinaus womöglich der CO2-Preis leisten. „Er ist berechenbar, kontrollierbar, kann gegebenenfalls korrigiert werden, und jeder sieht, welchen Beitrag er zur Lösung des Problems leistet.“ Wenn sich dagegen die Politiker nicht trauen, ein klares Datum zu nennen, ab wann Autos mit Verbrennungsmotor verboten sein sollen, ist das in seinen Augen ein Fehler. „Die Industrie fordert ja sogar ein Datum, damit sie planen und entwickeln kann.“
„Wir müssen erst noch lernen, dass wir angesichts solcher Krisen letztlich alle in einem globalen Dorf leben und uns als Gemeinschaft verstehen müssen“, sagt der Evolutionspsychologe Kurt Kotrschal. Frans de Waal ist überzeugt, dass uns dies gelingen wird: „Ich glaube, dass wir das menschliche Vermögen zu Kooperation unter widrigen Umständen unterschätzen“, sagt er. „Zurzeit ist die Menschheit noch ideologisch gespalten, und nicht jeder möchte den Wissenschaftlern zuhören. Aber am Ende, wenn unser Überleben auf dem Spiel steht, sind wir durchaus imstande zusammenzuarbeiten, um die Gefahr abzuwenden. Diese Fähigkeit haben wir als soziale Primaten über Millionen von Jahre evolviert. Ob uns das rechtzeitig gelingt, ist allerdings eine andere Frage.“
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