„Wer zugrunde gehen soll, der wird zuvor stolz und Hochmut kommt vor dem Fall.” Mit diesem Bibelzitat beginnt John Heilemann sein Buch. Er schildert darin die Schlacht des US- Justizministeriums gegen den Software-Riesen aus Redmond, die in die Justizgeschichte eingehen wird. Im Zentrum des Geschehens steht immer wieder Microsoft-Boss Bill Gates, einst reichster Mann der Welt, der unter dem Druck der Monopolvorwürfe sein wahres Gesicht zeigt: aufbrausend, selbstverliebt, störrisch und von seinen Angestellten wie ein Guru verehrt.
Das Buch ist überraschend spannend, weil es persönliche Eitelkeiten und juristische Winkelzüge plausibel verknüpft. Kehrseite: Die vielen Personen, die am Prozess direkt oder indirekt beteiligt sind, machen die Story zum Teil unübersichtlich. Um den Durchblick zu behalten, empfiehlt sich der Besuch der Internetseite www. pridebeforethefall.com, wo der Autor die Protagonisten alphabetisch vorstellt und eine Zeitleiste zusammengestellt hat – eine gute Idee, die auch dem Buch gut getan hätte, zumal die stellenweise dilettantische Übersetzung manchmal grübeln lässt.
Für das größte Manko des Buches können weder Autor noch Verlag etwas: Eine endgültige Aufteilung Microsofts ist unter der Regie der neuen US-Regierung in weite Ferne gerückt. Es wird wohl kaum Auflagen für das Unternehmen geben. Das scheint Microsoft wieder Mut zu machen: Der Riese nutzt sein Monopol bei den Betriebssystemen so schamlos aus wie eh und je.John HeilemannDER ANGRIFFBill Gates und die Zerschlagung von MicrosoftDVA, Stuttgart/München 2001272 S., DM 49,80
Bernd Müller





