Die zehn großen Ideen der Naturwissenschaft
Ein mumifizierter Finger zeigt himmelwärts er gehört zu einer Hand, die, wie die Inschrift besagt, dem Sterblichen nie gesehene Gestirne offenbarte. Es ist der Mittelfinger Galileos anzuschauen im Buch von Peter Atkins, Professor für Chemie an der Universität Oxford. Als der Leichnam des italienischen Gelehrten 1737 umgebettet wurde, schnitt man ihm kurzerhand das knöcherne Stück ab. Heute befindet sich der wegweisende Finger im Museum für Naturgeschichte in Florenz.
Für Atkins symbolisiert er den Anfang des modernen Denkens. Den weiteren Weg verfolgt der Autor anhand von zehn Leitgedanken von großer Reichweite. Er beginnt mit der Evolution und dem Konzept der natürlichen Auslese, der das heutige Leben seine Komplexität verdankt. Auf Überlegungen zu Energie und Entropie, der Triebfeder des Wandels, folgen die Geschichte der Atome, die das Vokabular der Chemie symbolisieren, und Gedanken zur Symmetrie in Natur und Kosmos. Dann taucht Atkins ins gefährlich verseuchte Becken der Quantenphysik ein und führt in den Kapiteln über Kosmologie und Raumzeit ins dynamische, sich ausdehnende Universum. Am Schluss des Buchs geht es um die Arithmetik denn: Mathematik ist das Rückgrat, das der wissenschaftlichen Spekulation Halt verleiht.
Ohne Zweifel: Der Autor weiß, worüber er schreibt ohne bemühte Poesie oder anderen Schnickschnack. Was Atkins erzählt, ist aufregend und interessant genug. Wohltuend übrigens, dass kein einziges Mal das Modewort nachhaltig fällt.
Heinz Horeis





