Die Masse der Milchstraße ist nur halb so groß wie bislang angenommen. Das ergab eine präzise Vermessung der Bewegung von 2400 Blauen Riesensternen in den Außenbezirken der Galaxis. Aus ihren Geschwindigkeiten und Entfernungen lässt sich die Gesamtmasse der Milchstraße errechnen, die sich nicht nur aus den sichtbaren Sternen und Gaswolken in der Scheibe ergibt, sondern auch aus dem Halo. Er hüllt die Scheibe ein und besteht größtenteils aus der ominösen Dunklen Materie, die sich wahrscheinlich aus unbekannten Elementarteilchen zusammensetzt. „ Aber es gibt viel weniger Dunkle Materie, als bisher vermutet”, erklärt Xiang-Xiang Xue vom Max-Planck-Institut für Astronomie (MPIA) in Heidelberg. Diese Erkenntnis wird das Verständnis von Aufbau und Entwicklung der Milchstraße verändern.
Das internationale Astronomenteam um Xiang-Xiang Xue nutzte die Daten der umfangreichsten Himmelsdurchmusterung aller Zeiten – der SEGUE-Durchmusterung (Sloan Extension for Galactic Understanding and Exploration) im Rahmen des SDSS-II-Projekts (Sloan Digital Sky Survey). Die Daten bilden eine repräsentative Stichprobe. Die früheren Massenabschätzungen aus dem Jahr 2003 basieren lediglich auf 50 beziehungsweise 500 Sternen. Sie ließen auf eine Gesamtmasse der Galaxis von zwei Billionen Sonnenmassen schließen. Die SEGUE-Daten sind aber nur mit der Hälfte dieser Masse vereinbar.
Die Forscher haben noch eine andere Methode der Massenbestimmung angewendet, die nicht auf den Umlaufgeschwindigkeiten der Sterne basiert, sondern auf den Maximalgeschwindigkeiten der Sterne in der Sonnenumgebung. „ Sterne, die zu schnell sind, müssen die Galaxis vor langer Zeit verlassen haben. Man findet sie also nicht”, sagt Hans-Walter Rix, Direktor am MPIA. „Die höchsten gemessenen Geschwindigkeiten entsprechen somit der Fluchtgeschwindigkeit und liefern eine unabhängige Abschätzung der Masse unserer Galaxis. Auch dieser Weg führt zu dem neuen niedrigen Wert.”




