Glukose kommt in zahlreichen Supermarktprodukten vor, wurde in den vergangenen fünf Jahrzehnten jedoch zunehmend durch Fruktose ersetzt. Beide Zuckerarten, auch bekannt als Trauben- und Fruchtzucker, sind sich chemisch sehr ähnlich und kommen beide natürlicherweise in Obst, Gemüse, Milchprodukten und Getreide vor. Darüber hinaus werden sie aber auch gezielt vielen verarbeiteten Lebensmitteln und Getränken zugesetzt, um sie zu süßen. Weil Fruktose eine stärkere Süßkraft hat als Glukose, kommt es immer öfter zum Einsatz, meist in Form von Maissirup. Wir konsumieren daher heute etwa 15-Mal mehr Fruktose als noch in den 1960er Jahren.
Im gleichen Zeitraum nahmen die Krebserkrankungen zu. Eine Reihe von Krebsarten treten seither bei Menschen unter 50 Jahren immer häufiger auf. Zufall oder gibt es einen Zusammenhang? Bekannt ist, dass Krebszellen wie alle unsere Körperzellen eine starke Affinität zu Glukose haben. Sie nutzen diesen Einfachzucker als Energiequelle. Aber ernähren sich Krebszellen und Tumore auch von Fruktose?
Fruktose-haltige Ernährung lässt Tumore schneller wachsen
Das hat nun ein Team um Ronald Fowle-Grider von der Washington University in St. Louis untersucht. Dafür fütterten die Mediziner krebskranke Zebrafische und Mäuse über mehrere Wochen hinweg entweder mit einer normalen oder mit einer fruktosereichen Nahrung und verglichen, wie schnell ihre Tumore wuchsen. Es zeigte sich, dass die Tumore deutlich schneller vergrößerten, wenn dem Futter der Tiere Fruktose zugesetzt wurde. Die drei untersuchten Tumorarten – Melanome, Brustkrebs und Gebärmutterhalskrebs – reagierten alle stark auf den Zucker: „Wir haben uns zahlreiche verschiedene Krebsarten in verschiedenen Geweben im ganzen Körper angesehen, und sie folgten alle dem gleichen Mechanismus. In einigen Fällen beschleunigte sich die Wachstumsrate der Tumoren um das Doppelte oder sogar um mehr“, berichtet Seniorautor Gary Patti von der Washington University.
Das Körpergewicht veränderte sich durch die Fruktosegabe jedoch nicht, die Tiere wurden also nicht dicker. Auch die Konzentrationen von Glukose und Insulin im Blut im nüchternen Zustand veränderten sich nicht. Das legt nahe, dass das Tumorwachstum nicht auf einen veränderten Zuckerstoffwechsel, sondern direkt auf die Fruktose zurückgeht, wie die Forschenden erklären. Um diese Interpretation zu überprüfen, fütterten die Mediziner in einem Folgeversuch im Labor kultivierte tierische und menschliche Krebszellen mit Fruktose. Überraschenderweise reagierten die Zellen jedoch nicht wie die Tumore und wuchsen nicht schneller, sondern sogar langsamer. „In den meisten Fällen wuchsen sie fast so langsam, als ob wir ihnen überhaupt keinen Zucker geben würden“, berichtet Patti. Das legt nahe, dass die Krebszellen – im Gegensatz zu Glukose – die Fruktose nicht direkt selbst verstoffwechseln und als Energiequelle nutzen können.





