Ein rund 370 000 Jahre altes Unterkiefer-Fragment haben Dietrich Mania und seine Mitarbeiter von der Universität Jena im thüringischen Bilzingsleben ausgegraben. Dort wurden schon früher Urmenschenknochen gefunden – 28 Fragmente und 8 Zähne in den letzten 30 Jahren. Sie zählen, wie Analysen des Unterkieferknochens durch den Prager Paläoanthropologen Emanuel Vlcek bestätigten, zur Spezies Homo erectus. Sechs Tonnen anderer Relikte hat Manias Team inzwischen geborgen: Waffen und Werkzeuge vom nadelgroßen Feuersteinobjekt bis zum zentnerschweren Amboß, Überreste dreier Hütten und einer Feuerstelle, ferner Mahlzeitreste – Knochen vom Biber bis zum Nashorn. Mania schätzt, daß eine Gruppe von 20 bis 30 Individuen hier rund 25 Jahre gelebt hatte. Er stieß sogar auf Indizien für kultische Handlungen. Dies und die Nashornjagd – fü die eine ausgeklügelte Taktik nötig war – deutet auf beachtliche geistige Fähigkeiten hin.
Rüdiger Vaas




