Studien dazu, wie es Menschen zu außergewöhnlichen Leistungen bringen, haben sich lange auf junge Talente fokussiert. „Diese Untersuchungen legten nahe, dass eine höhere frühe Leistungsfähigkeit und ein größeres Maß an fachspezifischem Training Vorhersagefaktoren für eine spätere bessere Leistungsfähigkeit sind“, erklärt ein Team um Arne Güllich von der Rheinland-Pfälzischen Technischen Universität Kaiserslautern. „Dementsprechend zielen viele Elite-Schulen, Universitäten, Konservatorien und Jugendsportakademien auf der ganzen Welt in der Regel darauf ab, die leistungsstärksten jungen Menschen auszuwählen und dann ihre Leistung durch intensives fachspezifisches Training weiter zu steigern.“ Doch ist das wirklich der beste Weg, um den jungen Menschen zu ermöglichen, auch im Erwachsenenalter exzellente Leistungen zu erzielen?
Wenig Überschneidungen zwischen Wunderkindern und erwachsenen Genies
Um diese Frage zu klären, haben Güllich und sein Team bestehende Studien und Datensätze zur Entwicklung jugendlicher und erwachsener Top-Leistungsträger analysiert, darunter 19 große Datensätze mit fast 35.000 erwachsenen Genies aus Bereichen wie Wissenschaft, Musik und Sport. Dabei zeigte sich: Ob Nobelpreisträger, Schach-Weltmeister, Spitzensportler oder Ausnahmekomponisten – die meisten haben ihre Brillanz erst im Erwachsenenalter entwickelt.
„Junge außergewöhnliche Leistungsträger und spätere Weltklasse-Leistungsträger im Erwachsenenalter sind im Laufe der Zeit weitgehend zwei getrennte Populationen“, berichten die Forschenden. Von denjenigen, die als Jugendliche Medaillen in internationalen Sportwettkämpfen gewonnen hatten, landeten nur zwölf Prozent auch als Erwachsene noch auf dem Treppchen. Von den unter 14-jährigen Top-10-Schachmeistern schafften es nur elf Prozent auch als Erwachsene unter die besten Zehn. Und von denen, die als Zwölfjährige die besten Leistungen bei kognitiven Tests erzielten, verdiente nur ein Prozent mit Mitte 30 ein Spitzengehalt.
Neue Wege zur Elitenförderung
Zudem stellten die Forschenden fest, dass unterschiedliche Wege zu Exzellenz im Jugend- und im Erwachsenenalter führen. „Außergewöhnliche Leistungen in jungen Jahren stehen im Zusammenhang mit umfangreichem fachspezifischem Training, wenig oder gar keinem multidisziplinären Training und schnellen frühen Fortschritten“, berichtet das Team. „Im Gegensatz dazu stehen Weltklasse-Leistungen im Erwachsenenalter im Zusammenhang mit begrenztem fachspezifischem Training, vermehrtem multidisziplinärem Training und allmählichen Fortschritten.“ Dieses Muster war über die verschiedenen untersuchten Bereiche konsistent. „Das deutet auf weit verbreitete und möglicherweise universelle Prinzipien hin, die dem Erreichen höchster Leistungsniveaus zugrunde liegen“, so die Forschenden.





