Kreta, 2000 Jahre vor Christi Geburt: blühende Städte, die von Handel und friedlichem Zusammenleben der Bewohner künden. Peloponnes, 2500 v. Chr: Bohrkerne beweisen, daß Raubbau an der Natur die Menschen gezwungen hat, ihre Siedlungen aufzugeben. Das sind nur zwei Glanzlichter aus einer Sammlung von Aufsätzen zur noch jungen Disziplin der Siedlungsarchäologie.
Der Band vereinigt 21 Beiträge, die zwischen 1980 und 1996 in der Zeitschrift Spektrum der Wissenschaft veröffentlicht wurden. Von frühen bronzezeitlichen Stadtkulturen im Vorderen Orient und in Europa bis zu Tempelstädten der Azteken im 16. Jahrhundert im heutigen Mexiko reicht das Panorama, in dessen Mittelpunkt die griechisch-römische Antike steht. Gleichberechtigt neben Archäologen kommen Ingenieure, Historiker, Geologen und Architekten zu Wort.
In der eindrucksvollen Fülle von Themen und Blickwinkeln offenbart sich auch ein Ärgernis: Die Qualität der Beiträge reicht vom klaren und kenntnisreichen Überblick (“Die Stadt der Antike”) bis zur technokratischen Beschreibung baulicher Feinheiten, die sich liest wie eine Montageanleitung für Heimwerker (“Bauvorschriften im Alten China”). Von derart unterschiedlichem Niveau sind auch die fotografische und illustrative Ausstattung.
Noch störender ist die fehlende redaktionelle Geschlossenheit. Nach welchen Kriterien die Auswahl der Beiträge getroffen, ihre Zuordnung zu den Kapiteln vorgenommen und ihre Reihenfolge festgelegt wurde, bleibt unklar. Das ist bedauerlich angesichts des bislang einmaligen Versuchs, frühe Stadtkulturen für den interessierten Laien lebendig zu machen.
Wolfram Hoepfner (Hrsg.) FRÜHE STADTKULTUREN Spektrum Akademischer Verlag Heidelberg 1997 212 S., DM 48,-
Ulrich Schendzielorz




