Die akademische Freiheit eines Landes bemisst sich unter anderem daran, inwieweit Forschende ungehindert lehren, forschen, veröffentlichen und sich austauschen können. Aber auch, wie unabhängig die jeweiligen Forschungsinstitutionen sind – beispielsweise in Bezug auf staatliche Eingriffe – und wie sicher Forschende in dem jeweiligen Land sind. Aus diesen Faktoren berechnet sich der sogenannte Academic Freedom Index, der für die meisten Länder weltweit auf eine Scala von null bis eins angibt, wie es um die Freiheit der Wissenschaft steht.
Zusammenhang zwischen Wissenschaftsfreiheit und Innovationskraft
Diese Daten hat nun ein Team um David Audretsch von der Indiana University in den USA ausgewertet und in Verbindung zur Innovationskraft des jeweiligen Landes gesetzt. „Trotz der weithin postulierten Bedeutung der akademischen Freiheit war bislang unklar, wie sich die akademische Freiheit auf Indikatoren des gesellschaftlichen Fortschritts, wie zum Beispiel Innovation, auswirkt“, schreibt das Team. „Wir haben diese Forschungslücke geschlossen, indem wir die Auswirkungen der akademischen Freiheit auf die Quantität und Qualität des Innovationsoutputs bewertet haben, gemessen an den Patentanmeldungen und Patentzitierungen.“ Die Analyse umfasste 157 Länder im Zeitraum von 1900 bis 2015.
Das Ergebnis: „Wir haben festgestellt, dass eine Verbesserung der akademischen Freiheit um eine Standardabweichung die Patentanmeldungen um 41 Prozent und die Zitierungen um 29 Prozent erhöht“, berichten Audretsch und sein Team. Je freier also die Wissenschaft, desto mehr Innovationen bringt sie hervor und desto relevanter sind diese Innovationen. Mit zahlreichen statistischen Tests belegten die Forschenden, dass tatsächlich ein kausaler Zusammenhang zwischen Wissenschaftsfreiheit und Innovationskraft besteht, der sich nicht durch andere Faktoren wie die gesellschaftliche Freiheit im Allgemeinen erklären lässt. Der Zusammenhang blieb auch bestehen, wenn sie nur Staaten mit besonders vielen oder besonders wenigen Patentanmeldungen betrachteten.
Akademische Freiheit in Gefahr
Insgesamt stellten die Forschenden fest, dass sowohl die Wissenschaftsfreiheit als auch die Innovationskraft in den meisten Staaten im Laufe des 20. Jahrhunderts zugenommen haben. Doch ein Blick auf aktuelle Daten zur akademischen Freiheit zeigt, dass dieser Trend nicht anhält: „Die weltweite akademische Freiheit ist in den letzten zehn Jahren zum ersten Mal seit hundert Jahren zurückgegangen, und unsere Schätzungen deuten darauf hin, dass dieser Rückgang eine erhebliche Bedrohung für die Innovationsleistung der Länder darstellt, und zwar sowohl in quantitativer als auch in qualitativer Hinsicht“, warnt das Team.





