„Als ich 1976 als Pressereferentin im Krebsforschungszentrum anfing”, erinnert sich Hilke Stamatiadis-Smidt, „erlebte ich, wie die Leute direkt im Labor bei den Forschern anriefen.” Sie hofften, die Wissenschaftler des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) in Heidelberg könnten ihnen sagen, wie sie mit der eigenen Krebserkankung oder der eines Angehörigen umgehen sollten. Aber die Forscher, so die ehemalige Leiterin der Presseabteilung, „waren natürlich ratlos angesichts der sehr persönlichen Fragen, die ihnen gestellt wurden”. Stamatiadis-Smidt und ihrem Chef, dem Krebsforscher und späteren Nobelpreisträger Harald zur Hausen, war klar: Da muss etwas geschehen!
Was geschah, war die Gründung des „Krebsinformationsdienstes” (KID). 1986 startete der Telefondienst in Heidelberg mit vier Mitarbeitern. Heute, 25 Jahre später, sorgen hier und in der ersten Außenstelle in Dresden rund 70 Mitarbeiter, darunter viele Ärztinnen, dafür, dass Menschen, die Fragen zu Tumorerkrankungen haben, eine rasche und fundierte Antwort bekommen. Genutzt werden dabei alle Kanäle, die die moderne Informationstechnik bereithält.
Und das sind die Bestandteile des in Europa einzigartigen Krebsinformationsdienstes:
1. Die Datenbank: Der Wissensfundus des KID ist der Stolz von Regine Hagmann, promovierte Kinderärztin und Leiterin des KID: „ Unsere interne Datenbank wird von unseren Redakteuren ständig aktualisiert. Die Texte sind so geschrieben, dass sie vom Allgemeinen zum Speziellen gestaffelt sind.” Auch nützliche Adressen – von medizinischen Fachverbänden, von Psychoonkologen, die bei seelischen Problemen helfen – sowie ärztliche Leitlinien und andere Fachliteratur sind hier aufgelistet. Wer beim KID Informationen nach außen gibt, sei es per Telefon, E-Mail oder übers Internet, recherchiert zunächst in dieser Datenbank.
2. Der Telefondienst: Hier gehen auch 25 Jahre nach dem Start noch immer die meisten Anfragen ein. Im Jahr 2010 waren es genau 26 813 oder 81,8 Prozent, der Rest kam per E-Mail, Brief oder über einen persönlichen Kontakt. „Etwa zwei Drittel der Anrufenden sind Frauen”, sagt Regine Hagmann. „Und die meisten Fragen beziehen sich auf Brustkrebs.” Die Nummer des Telefondienstes ist 0800 / 420 30 40, die Leitungen sind von 8 bis 20 Uhr offen, und der Anruf ist kostenlos.
3. Der E-Mail-Service: Er wurde 2001 für drei Monate als Pilotprojekt gestartet – und sofort strömten die Mails herein, wie sich Ursula Will, „Frau der ersten Stunde”, erinnert. Inzwischen stehen neben der Ärztin neun weitere Teilzeitkräfte für die Beantwortung der E-Mails zur Verfügung. „In zehn Jahren haben wir rund 40 000 Mails beantwortet”, bilanziert Will. „Jede Antwort liest eine Kollegin gegen, bevor sie abgeschickt wird.” Die E-Mail-Adresse: krebsinformationsdienst@dkfz.de
4. Die Internet-Redaktion: Birgit Hiller ist promovierte Biologin und hat als Wissenschaftsjournalistin gearbeitet, bevor sie 1999 die Redaktion der Internet-Seiten des Krebsinformationsdienstes übernahm. Inzwischen ist das der zahlenmäßig am meisten genutzte Dienst des KID: 200 000 Besucher werden monatlich gezählt, sie rufen 7 Millionen Seiten ab. „Bei uns informieren sich nicht nur Krebskranke”, stellt Hiller klar. „ Es geht auch um Prävention, etwa um die Risiken des Rauchens.”
Und weil Krebsinformation an den jungen Zielgruppen nicht vorbeigehen soll, denken Hiller und ihre Kollegen darüber nach, ihre Dienste auf Facebook und andere soziale Medien auszuweiten: Spätestens 2012 soll es so weit sein. ■
von Judith Rauch
INTERNET
Generelle Informationen zu Krebs: www.krebsinformationsdienst.de
Spezialangebot für Männer zum Thema Prostatakrebs-Früherkennung: www.psa-entscheidungshilfe.de





