Zähne sind seine große Leidenschaft. Dabei geht es Wighart von Koenigswald allerdings nicht um neue Behandlungsmethoden von Karies oder Parodontitis, sondern um die Analyse von Zahnschmelz an fossilen Zahnfunden. „Die filigranen Strukturen der versteinerten Zähne sind von Tier zu Tier so unterschiedlich, dass Kenner daran den Gang der Evolution nachvollziehen können”, sagt von Koenigswald. Der Bonner Paläontologe ist Pionier in der Zahnschmelzforschung.
Vor rund 25 Jahren hatte er im Paläontologischen Institut der Universität Tübingen erstmals das fossile Gebiss einer Wühlmaus unter dem Mikroskop. „Dabei sah ich solch ästhetische Bilder von komplizierten Mustern und Verästelungen im Zahnschmelz, dass ich auch andere Säugetierzähne auf diese Merkmale hin untersuchen wollte”, sagt der Forscher. Der gebürtige Potsdamer nahm sich die Zähne von 60 bis 200 Millionen Jahre alten Huftieren und Nagetieren vor und forschte dort nach unverwechselbaren Feinstrukturen im Zahnschmelz.
Im Darmstädter Landesmuseum erkannten die Palä-ontologen Mitte der siebziger Jahre, wie wertvoll die Erkenntnisse des Forschers für die Grabungen an der Fossilienfundstätte in Messel sein würden. In den folgenden zehn Jahren bearbeitete und bestimmte von Koenigswald in Messel Dutzende Säugetiere. Ende der siebziger Jahre schwebte über der weltberühmten Fossillagerstätte allerdings das Damoklesschwert: Es sollte zu einer Mülldeponie werden. Dank des Widerstandes von Bürgerinitiativen, Politikern und Wissenschaftlern – darunter von Koenigswald – konnte dies jedoch abgewendet werden.
1987 wurde der Paläontologe dann nach Bonn berufen – an eines der vielfältigsten paläontologischen Forschungsinstitute, wo er die Zahnschmelzforschung etablierte und 1998 das weltweit einzige Lehrbuch zu diesem Thema veröffentlichte. Inzwischen sind ständig Wissenschaftler aus aller Welt bei dem 61-Jährigen zu Gast, um sich mit der Zahnschmelzanalyse vertraut zu machen.
Hans Groth




