Der Paranthropus robustus lebte vor rund zwei Millionen Jahren gemeinsam mit anderen Früh- und Vormenschenarten in Südafrika. Davon zeugen unter anderem zahlreiche Fossilien in der etwa 30 Kilometer von Johannesburg entfernten Swartkrans-Höhle. Bislang wurden von dem frühen Verwandten des Menschen allerdings vor allem fossile Schädel und Zähne entdeckt. Obwohl diese bereits viele Rückschlüsse auf die Ernährung und soziale Organisation von Paranthropus robustus ermöglicht haben, blieben in Ermangelung von Fossilien seines übrigen Körpers viele Fragen offen.

Winzling auf zwei Beinen
Nun hat ein Team um Travis Pickering von der University of Wisconsin-Madison in den USA ein aufschlussreiches neues Fossil aus der Swartkrans-Höhle beschrieben. Dabei handelt es sich um einen beweglichen Hüftgelenksknochen mit angrenzendem Oberschenkelknochen und Schienbein. Wie Pickering und sein Team zeigen konnten, stammten alle Knochen von einem einzigen Individuum des Paranthropus robustus. Damit liefert das Fossil erstmals Einblicke in die Größe, Statur und Fortbewegung unserer vormenschlichen Schwesterart.
Die fossilen Beinknochen lassen darauf schließen, dass Paranthropus robustus bereits ähnlich wie heutige Menschen aufrecht ging, allerdings sehr klein war. „Wir schätzen, dass dieses Individuum, wahrscheinlich ein Weibchen, bei seinem Tod nur etwa einen Meter groß war und 27 Kilogramm wog“, berichtet Pickering. „Damit war es sogar noch kleiner als die erwachsenen Vertreter anderer kleiner Vor- und Frühmenschenarten, darunter die berühmten Skelette von ‘Lucy’ (Australopithecus afarensis, etwa 3,2 Millionen Jahre alt) und dem ‘Hobbit’, (Homo floresiensis, etwa 90.000 Jahre alt) aus Äthiopien bzw. Indonesien.”
Opfer eines Raubtiers
Frühere Untersuchungen an Schädeln hatten bereits darauf hingedeutet, dass männliche Individuen von Paranthropus robustus wahrscheinlich größer waren als weibliche. Denn obwohl alle gefundenen Schädel der Art einen kräftigen, robusten Kiefer aufweisen und die Art damit von dem verwandten Australopithecus abgrenzen, unterschieden sich die Paranthropus-Schädel deutlich in der Größe. Wenn die neu entdeckten Beinknochen also tatsächlich von einer Frau stammen, ist es wahrscheinlich, dass ihre männlichen Artgenossen größer waren als ein Meter.





