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Forschung: Jüngere bringen mehr Durchbrüche
Gesellschaft & Psychologie

Forschung: Jüngere bringen mehr Durchbrüche

In der Wissenschaft haben ältere Forschende üblicherweise den größten Einfluss und Zugriff auf die meisten Ressourcen. Doch sind wirklich sie es, die den Fortschritt am stärksten vorantreiben? Eine Studie kommt nun zu dem Ergebnis, dass Menschen zu Beginn und im späteren Verlauf ihrer wissenschaftlichen Karriere…
Autor
Redaktion
07. Mai 2026
Lesezeit
3 Minuten
Rubrik
Gesellschaft & Psychologie

Zu Beginn einer wissenschaftlichen Karriere stehen oft unsichere Beschäftigungsverhältnisse mit befristeten Verträgen und geringen Ressourcen für die eigene Forschung. Wer dagegen einmal den Schritt zur Professur geschafft hat, kann sich nicht nur auf eine sichere Arbeitsstelle verlassen, sondern erhält auch mehr Einfluss, Führungsverantwortung und finanzielle Förderung – und bleibt oft bis weit über das Rentenalter hinaus in der Wissenschaft tätig. „Verlängerte Ausbildungszeiten, die Abschaffung der Zwangsversetzung in den Ruhestand und Fördersysteme, die Erfahrung belohnen, haben zu einer Konzentration der Ressourcen auf ältere Wissenschaftler geführt“, schreibt ein Team um Haochuan Cui von der University of Pittsburgh. „Da die Wissenschaft zunehmend von ihrem alternden Kern abhängig wird, stellt sich eine zentrale Frage: Wie beeinflusst das akademische Alter die Kreativität?“

Neuverknüpfung und Disruption

Um diese Frage zu beantworteten, werteten Cui und seine Kollegen die Veröffentlichungen von mehr als 12,5 Millionen Forschenden aus, die zwischen 1960 und 2020 publiziert hatten. Dabei erfassten sie jeweils das „akademische Alter“ der Forschenden, also die Zeit seit ihrer ersten eigenen Publikation, und setzten dieses in Verbindung zu den Zitationsmustern ihrer Arbeiten. „Bei unserer Analyse stellten wir fest, dass die Verknüpfung zuvor unverbundener Ideen mit zunehmendem akademischen Alter zunimmt, während die Disruption, also die Ersetzung etablierter Ideen durch neue, abnimmt“, berichtet das Team.

Die besondere Stärke jüngerer Personen in der Wissenschaft besteht demnach darin, etablierte Ideen in Frage zu stellen und durch völlig neue Konzepte zu ersetzen. Wer dagegen schon lange in seinem Fachgebiet tätig ist, ist stärker mit bestehendem Wissen verhaftet, kann aber auf Basis eines breiten Erfahrungsschatzes neuartige, kreative Verknüpfungen zwischen etablierten Paradigmen herstellen. „Beide Arten von Kreativität – Neuverknüpfung und Disruption – treiben den wissenschaftlichen Fortschritt voran“, erklären Cui und seine Kollegen.

Erfahrung und Nostalgie

Die unterschiedlichen Herangehensweisen je nach Alter zeigen sich auch an den zitierten Arbeiten: Zu Beginn ihrer Karriere bauen junge Forschende oft auf den aktuellsten Veröffentlichungen auf und zitieren in ihren Publikationen viele Studien, die erst wenige Jahre alt sind. Je länger die eigene wissenschaftliche Laufbahn währt, desto älter werden auch die zitierten Referenzen. Das kann laut Cui und seinen Kollegen zum einen an einem „Nostalgie-Effekt“ liegen: Ältere Forschende verlassen sich lieber auf altbekannte Studien. Zum anderen kann es sein, dass sie aufgrund zunehmender Führungs-, Verwaltungs- und Begutachtungsaufgaben weniger Zeit haben, um sich an der Forschungsfront auf dem Laufenden zu halten. Da wissenschaftliche Arbeitsgruppen meist von älteren Personen geleitet werden, wirkt sich deren Hang zu älteren Zitationen auf das gesamte Team aus. Forschungsgruppen mit jüngeren Führungspersonen zitieren dagegen häufiger neuere Arbeiten.

Auch im internationalen Vergleich zeigen sich Unterschiede: „Länder mit jüngerem wissenschaftlichen Personal wie China und Indien produzieren einen größeren Anteil disruptiver Arbeiten, während Länder mit älterer Belegschaft wie die USA niedrigere Disruptionsraten aufweisen“, berichten Cui und sein Team. Aus ihrer Sicht haben die Ergebnisse auch politische Implikationen: „Da wissenschaftlicher Fortschritt sowohl von Kontinuität als auch von Erneuerung abhängt, sollten Förder- und Beförderungssysteme vielfältige Wege fördern, die beides ermöglichen, insbesondere angesichts der alternden globalen Forschungsgemeinschaft“, schreiben sie.

Quelle: Haochuan Cui (University of Pittsburgh, Pennsylvania, USA) et al., Science, doi: 10.1126/science.ady8732

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