Was mag wohl im Kopf eines Babys vorgehen? Diese Frage stellen sich frischgebackene Eltern immer wieder, zum Beispiel, wenn der Säugling stundenlang mit großem Interesse auf eine gestreifte Tapete starrt….
Was mag wohl im Kopf eines Babys vorgehen? Diese Frage stellen sich frischgebackene Eltern immer wieder, zum Beispiel, wenn der Säugling stundenlang mit großem Interesse auf eine gestreifte Tapete starrt. Auch Wissenschaftler haben das geistige Innenleben von Babys, die früher als einfache Reflexbündel ohne Verstand galten, in den letzten Jahrzehnten als Forschungsthema entdeckt und Erstaunliches herausgefunden: So können schon Neugeborene den Gesichtsausdruck ihrer Mutter nachahmen. Sie wissen offenbar, daß sie da jemanden sehen, der ihnen selbst gleicht. Mit sechs Monaten können Babys verschiedene Sprachen unterscheiden, und mit zwei Jahren verstehen Kinder, daß andere Leute andere Vorlieben haben als sie selbst.
In wenigen Jahren reifen Babys von hilflosen Wesen zu Menschen heran, die mit Computern umgehen können oder sich über den Ursprung des Universums Gedanken machen. Das ist nur möglich, schreiben die drei Entwicklungspsychologen Alison Gopnik, Patricia Kuhl und Andrew Meltzoff, weil der menschliche Nachwuchs über den “gewaltigsten Lernapparat des ganzen Universums” verfügt.
Für die drei Forscher ist jedes Kind ein Kollege: Wie Wissenschaftler stellen kleine Kinder Hypothesen über ihre Umwelt auf, die sie durch Experimente bestätigen oder verwerfen. Während sich Ratgeberbücher für Kindererziehung damit auseinandersetzen, wie sich dieser oft anstrengende Forschergeist eindämmen läßt, erfährt man von Gopnik, Kuhl und Meltzoff die Gründe für die Experimentierfreudigkeit. Dabei schildern die drei Amerikaner den Wissensstand der Entwicklungspsychologie nicht nur aus der distanzierten Perspektive der Forschung, sondern auch mit dem liebevollen Blick erfahrener Eltern.
Ute Kehse