In meiner Schulzeit war es streng verboten, mit den Fingern zu rechnen. Wehe, die Lehrerin merkte, wenn ich mir den Übertrag bei einer Additionsaufgabe („behalte 4″) dadurch merkte, dass ich die entsprechende Anzahl von Fingern ausstreckte. Das gab einen strengen Verweis. Warum das allerdings falsch sein soll, ist mir bis heute nicht klar geworden. Man kann nämlich mit den Fingern wunderbar rechnen. Natürlich ist es langweilig, die Finger nur als Speichermedium für den Übertrag zu benutzen. Aber ich sage Ihnen zwei Rechentricks, mit denen Sie bei jeder Party Eindruck schinden können. Beide zeigen, dass unsere zehn Finger im Grunde eine perfekte Rechenmaschine sind! Und beide haben mit multiplizieren zu tun. Der erste Trick mit der Multiplikation mit 9. Was ist 7 mal 9? Das haben Sie gelernt, und Sie wissen es. 7 mal 9 ist 63. Eine Zahl, bei der links die Ziffer 6 und rechts die 3 steht. Wenn Sie das nicht mehr wissen würden, könnten Sie es mit Ihren Fingern einfach herausbekommen: Strecken Sie alle 10 Finger nach oben. Dann zählen Sie von links nach rechts bis zur Zahl, mit der Sie 9 multiplizieren wollen. In unserem Beispiel ist das die 7. Sie beginnen mit dem kleinen Finger der linken Hand, dann gehen Sie über den Ringfinger zum Mittelfinger und so weiter. Bei 7 sind Sie dann beim Zeigefinger Ihrer rechten Hand. Den knicken Sie nach unten. Jetzt steht das Ergebnis vor Ihnen: Links von dem eingeknickten Finger sehen Sie 6 Finger, rechts davon 3 – und insgesamt ergibt sich die Zahl 63. Zufall? Probieren Sie’s aus! 5 mal 9? Von links beginnend bis 5 zählen. Dies führt zum Daumen der linken Hand. Diesen einknicken. Dann stehen links 4 Finger, rechts 5, also ist das Ergebnis 45. Es ist klar, warum der Trick funktioniert: Beim Neuner-Einmaleins ist die Summe aus Einer- und Zehnerziffer immer 9. Genauer gesagt wird die Zehnerziffer immer um 1 größer und die Einerziffer um 1 kleiner. Der zweite Trick, den ich Ihnen verraten will, ist etwas komplizierter und ganz anders als der erste, aber damit können Sie viel mehr Aufgaben rechnen: nicht nur mit 9 multiplizieren, sondern auch mit 6, 7 und 8. Nehmen wir einmal an, Sie wollten 7 mal 8 ausrechnen. Ihre linke Hand steht für den ersten Faktor, also die Zahl 7, Ihre rechte Hand für den zweiten Faktor, die 8. Zuerst müssen Sie die erste Zahl auf 10 ergänzen: „7 und wie viel ist 10?” Klar: 7 und 3 gibt 10, also kommen 3 Finger der linken Hand nach oben, die anderen bleiben abgeknickt. Entsprechend für den zweiten Faktor: „8 und wie viel ist 10?” Noch einfacher: 8 und 2 ist 10, also strecken sich 2 Finger der rechten Hand nach oben. Nun zeigen einige Finger nach unten, andere nach oben. Die Finger, die nach unten zeigen, sind die „schweren”; sie ergeben die Zehnerziffer. Bei Ihnen sind 5 Finger nach unten geklappt; dies bedeutet 50. Aus den hochgereckten Fingern erhalten Sie die Einerziffer. Aber nicht, indem Sie die Zahlen einfach addieren, Sie müssen sie multiplizieren! In unserem Fall rechnen Sie: 2 mal 3 gibt 6. Insgesamt haben Sie 50 plus 6, also 56. Uff! Ich behaupte nicht, dass diese Methode leichter ist als die traditionelle. Aber viel lustiger. Man muss nur das „ganz kleine” Einmaleins können (Multiplikation mit 2, 3, 4 und 5) und kann sich damit das ganze Einmaleins erschließen! Probieren Sie mal: 7 mal 7, 7 mal 9 und – für die Neunmalklugen – 6 mal 7. Viel Spaß!
Albrecht Beutelspacher




