Fertiggerichte und andere hochverarbeitete Lebensmittelprodukte sollen uns den Alltag erleichtern und Zeit und Aufwand für das Kochen verringern. Man schiebt die Gerichte einfach in die Mikrowelle oder den Ofen und schon hat man eine Mahlzeit. Doch damit das funktioniert, müssen die Lebensmittel so verarbeitet werden, dass sie lange haltbar, mikrobiologisch unbedenklich und geschmacklich stabil bleiben. Dadurch enthalten die hochverarbeiteten Produkte meist viel Zucker, Salz und gesättigte Fette, außerdem reichlich Zusatzstoffe wie Emulgatoren, Konservierungsmittel und Süßungsmittel. Ballaststoffe sind hingegen oft weniger enthalten als in frisch zubereiteten, wenig verarbeiteten Speisen. Schon länger mehren sich die Hinweise darauf, dass der Genuss von vorwiegend hochverarbeiteten Lebensmitteln auf Dauer negative Folgen für die Gesundheit hat. So stehen sie im Verdacht, Darmkrebs, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Übergewicht zu fördern.
Woran dies liegt und ob der Verarbeitungsgrad der Lebensmittel dafür wirklich die entscheidende Rolle spielt, war jedoch bisher umstritten. Denn häufig leben Menschen, die viel Fertigprodukte essen, auch insgesamt ungesünder. Das macht es schwer, den Effekt der hochverarbeiteten Lebensmittel von den restlichen Einflussfaktoren zu trennen. „Nur in einer präzisen Testreihe, die hoch- und minimal verarbeitete Lebensmittel gezielt in einem gut kontrollierten Experiment gegenüberstellt und dabei ausschließlich den Verarbeitungsgrad als Vergleichsgröße heranzieht, lässt sich das gesundheitliche Risiko durch hochverarbeitete Produkte genau ermitteln“, erklärt der nicht an der Studie beteiligte Stoffwechselmediziner Stefan Kabisch von der Charité Berlin. Doch solche Studien sind enorm aufwendig und teuer. „Bislang gab es in der gesamten Forschungsgeschichte nur sehr, sehr wenige Studien, die diese hohen Qualitätsmerkmale erfüllt haben“, so Kabisch weiter.
Nur halb so viel Gewichtsverlust mit Fertigprodukten
Eine dieser Studien ist nun die Untersuchung von Samuel Dicken vom University College London (UCL) und seinen Kollegen. Sie haben 55 übergewichtigen und adipösen Testpersonen mittleren Alters monatelang Essen nach Hause geliefert, um den Einfluss von hochverarbeiteten gegenüber wenig verarbeiteten, von ihnen frisch zubereiteten Speisen auf Gewicht und Gesundheit zu vergleichen. Für die Studie erhielten die Testpersonen zunächst acht Wochen lang entweder das hochverarbeitete oder wenig verarbeite Essen. Die Gerichte und Produkte waren dabei so ausgewählt, dass beide Gruppen Speisen mit dem gleichen Kaloriengehalt und gleichen Nährstoffanteilen bekamen. Die Fertiggerichte waren zudem nicht maximal ungesund, sondern hatten auf der Ernährungsampel die Einstufung bis maximal orange. Alle Testpersonen konnten so viel essen wie sie wollten, die Lebensmittelwaren in keiner Form rationiert. Nach acht Wochen folgte eine vierwöchige Pause, bevor die Gruppen für erneut acht Wochen getauscht wurden. Alle Teilnehmenden wurden vor und nach den jeweiligen Studienphasen medizinisch untersucht und ihr Gewicht, Körperfettanteil und Muskelmasse wurden gemessen. Zusätzlich befragten Dicken und sein Team alle Testpersonen dazu, wie stark ihr Appetit war, wie oft sie Heißhungerattacken hatten und ermittelten den Kaloriengehalt der verzehrten Nahrung.





