Gesundheitsmanager streiten über den Sinn von Zuzahlungen bei Medikamenten. Ein Argument der Befürworter: Wer einen Teil der Kosten selbst tragen muss, nimmt die Arzneimittel regelmäßiger ein. Diese These wurde jetzt durch eine kanadische Studie geschwächt. Die Wissenschaftler werteten die Daten von über 51 000 Personen aus, die einen Cholesterinsenker verordnet bekommen hatten. Durch Änderungen der kanadischen Gesundheitspolitik zwischen 2001 und 2003 konnten verschiedene Zuzahlungsmodelle untersucht werden. 73 Prozent der Patienten, für die Medikamente komplett kostenfrei waren, lösten nach einem halben Jahr noch ihre Rezepte ein. Nach 15 Monaten war dieser Anteil auf magere 56 Prozent gesunken. Allerdings hielten sich jene, die eine Zuzahlung leisten mussten, noch seltener an die Anweisungen ihrer Ärzte. Nach 15 Monaten nahm nur noch jeder Zweite das Medikament. Je höher der Eigenanteil, desto stärker war die Tendenz, die Therapie eigenmächtig abzusetzen: bei 10 Dollar stieg die Abbrecherquote um 44 Prozent, bei 25 Dollar um 61 Prozent, und wenn die gesamten Kosten selbst zu tragen waren, sogar um 94 Prozent. Unabhängig von den Eigenkosten nahmen vor allem ältere Patienten und jene, die gleich an mehreren Krankheiten litten, überdurchschnittlich oft ihre Medikamente wie verordnet ein.





