Dass der Mond die Erde nicht schon immer umkreist hat, ahnte bereits René Descartes. Der Philosoph spekulierte (1664 posthum publiziert), die Erde habe ihren Trabanten einst eingefangen. Eine andere Hypothese stammt von George Howard Darwin. Der Sohn von Charles Darwin überlegte 1887, dass sich der Mond von der Erde „abgenabelt” haben könnte, als diese noch viel schneller rotierte als heute – die Fliehkräfte hätten das Mondmaterial aus dem Erdmantel herausgerissen. Der Geologe Osmond Fisher meinte 1882 sogar, die Tiefe des Pazifischen Ozeans stelle die bis heute sichtbare Narbe dieser Abspaltung dar. Besonders kurios mutet eine Überlegung von Ernst Öpik an. Der Astronom spekulierte 1955, der Mond hätte sich aus diversen Ausdünstungen der Urerde (Abdampfung) geformt. Bevor ab 1984 die Einschlags-Hypothese entwickelt wurde, war die Annahme am plausibelsten, dass sich Erde und Mond quasi nebeneinander im solaren Urnebel gebildet hätten. Dieses Geschwister-Modell wurde 1944 von Carl Friedrich von Weizsäcker formuliert – und schon von Immanuel Kant erwogen. Doch alle diese Modelle sind himmelsmechanisch unwahrscheinlich oder nicht möglich, können die Neigung der Mondbahn nicht erklären und passen nicht zur Zusammensetzung des Mond- und Erdgesteins.




