Elf Universitäten gehören seit 15. Juni zur deutschen Eliteliga. Aufgestiegen sind die Universitäten von Bremen, Köln, Tübingen, die Humboldt-Universität zu Berlin sowie die TU Dresden. Aus dem Elitekreis ausgeschieden sind die Universitäten Freiburg, Göttingen und das Karlsruher Institut für Technologie KIT.
Die Neuhinzugekommenen haben ihren Erfolg ausgiebig gefeiert. Der Rektor der Universität Tübingen, Bernd Engler, etwa posierte mit wechselweise hochgehaltenem Sektglas, Handy oder Mikro vor der Neuen Aula. Anderswo entstanden ähnliche ausgelassene Fotos. Über die Hintergründe, die zu einem Pro oder Kontra der Anträge auf Graduiertenschulen, Exzellenzcluster und Zukunftskonzepte geführt haben, war bis zum Redaktionsschluss nichts bekannt. Die Stellungnahmen werden im Juli versandt. Dem großen Kreis von Außenstehenden wären sie ohnehin kaum zu vermitteln – weil man schon sehr tief in den jeweiligen Forschungssegmenten eingebunden sein muss, um „gut” von „sehr gut” oder gar „noch besser” zu unterscheiden. Vertrauen wir daher den begutachtenden Experten, die die Deutsche Forschungsgemeinschaft und der Wissenschaftsrat berufen haben. Am Wettbewerb um Graduiertenschulen und Exzellenzcluster waren 457 Gutachter beteiligt – darunter allein 130 aus Nordamerika.
Auf die Universitäten von Bremen, Dresden und das KIT können wir gleichwohl einen intimeren Blick werfen. Der in Bremen weiter bewilligte Exzellenzcluster MARUM wurde und wird maßgeblich gesteuert von Gerold Wefer, einer Größe im deutschen Wissenschaftsbetrieb (bild der wissenschaft 10/2011, „Schwerpunkt Meer” und 3/3010, „Anträge schreiben macht mir Spaß”). Wefer trug maßgeblich dazu bei, dass der schlechte Ruf verschwand, den die dortige Universität bis in die 1980er-Jahre hatte. Er war es, der der umweltorientierten Meeresforschung in Bremen ein Zuhause gab, der der Stadt 2005, gleich beim ersten Wettbewerb um die „Stadt der Wissenschaft”, den Titel einbrachte und der dem Senat das erste Haus der Wissenschaft in Deutschland abrang.
Szenenwechsel nach Dresden, wo Hans Müller-Steinhagen seit August 2010 Rektor der TU ist. Als der frühere Institutsleiter für Technische Thermodynamik am Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt DLR im Juni 2010 zum Rektor gewählt wurde, ließ er sich sofort vom DLR beurlauben, um eine Skizze für ein Dresdner Zukunftskonzept zur Exzellenzinitiative zu verfassen. Dieser Antrag musste bis September abgeben werden. Müller-Steinhagen (bild der wissenschaft 6/2012, „Hervorragend aufgestellt”) motivierte Kollegen und Mitarbeiter und trieb sie zu bedingungslosem Einsatz an. Dass die TU Dresden jetzt „exzellent” ist, freut den Präsidenten der Deutschen Forschungsgemeinschaft Matthias Kleiner besonders.
Betroffenheit dagegen in Karlsruhe: Die Uni (inzwischen vereint mit dem Forschungszentrum, daher KIT), die neben den zwei Münchner Universitäten 2006 als einzige Erfolg hatte, ist aus der Eliteliga verschwunden. Und zwar deshalb, weil keiner der beiden vorgestellten Anträge für ein Exzellenzcluster befürwortet wurde – weder der für „Verlässliche Software” noch der Fortsetzungsantrag für „Funktionelle Nanostrukturen”. Ein Desaster, auch wenn aktuelle Stellungnahmen das kleinreden. „ Vieles von dem, was wir uns vorgenommen haben, werden wir dennoch umsetzen, wenn auch nicht so schnell wie erhofft”, gaben die verantwortlichen KIT-Präsidenten Eberhard Umbach und Horst Hippler in einer Mitteilung unmittelbar nach der Zurückstufung kund. Wie anders klang es dagegen noch vor einem Jahr. In „bild der wissenschaft plus – Hand in Hand an die Weltspitze” (2/2011) erklärte Horst Hippler: „Eine Niederlage kann es gar nicht geben. Wir sind so aufgestellt, dass wir auch in der nächsten Runde gefördert werden.” Übrigens: Horst Hippler verließ das KIT kurz vor der Entscheidung. Er ist seit Mai Präsident der Deutschen Hochschulrektorenkonferenz. Wolfgang Hess ■





