Die Spuren des größten Flusses Europas hat die Geologin Irina Overeem mit ihrem Team an der Technischen Universität im niederländischen Delft entdeckt. Der so genannte Eridanos hatte elf Millionen Jahre lang den Norden und die Mitte Europas geprägt. Seinen einstigen Lauf ermittelten die niederländischen Geowissenschaftler, indem sie von einem Schiff in der Nordsee Schallwellen in die Tiefe schickten, die weit in den Untergrund eindrangen. Mit Unterwasser-Mikrofonen fingen sie Echos auf, die von verschiedenen Bodenschichten zurückgeworfen wurden. Aus diesen Echos errechneten Computerprogramme die Struktur des Untergrundes, aus der Irina Overeem den Lauf des Eridanos rekonstruieren konnte. Der europäische Urstrom entsprang demnach irgendwo in Skandinavien, schlängelte sich durch das noch nicht überflutete Ostseebecken, durch Nordpolen und Norddeutschland, Dänemark und Holland bis in das heutige Becken der Nordsee. Damals war die heutige Nordsee das riesige Delta, in dem der Eridanos in den Nordatlantik mündete. Erst die Gletscher der Eiszeit schufen später die Bassins, die heute Nord- und Ostsee füllen.
Hans Groth




