Eins scheint mittlerweile klar: Die Gattung Homo, die vor etwa drei Millionen Jahren in Afrika entstanden ist, hat im Verlauf ihrer Entwicklungsgeschichte einige deutlich unterschiedliche Vertreter hervorgebracht, die sich ablösten und koexistierten. Auch Vermischungen dieser menschlichen Wesen sind mittlerweile gut dokumentiert. Doch irgendwann endete die Zeit der Vielfalt – Homo erectus, Neandertaler und Co verschwanden und der Homo sapiens wurde schließlich zum einzigen Vertreter seiner Gattung. Welcher Aspekt ausgerechnet diese Menschenform zur dominanten Spezies gemacht hat, ist ein wichtiges Diskussionsthema in der Anthropologie.
Bisher lag der Fokus bei der Untersuchung der Frage, was es bedeutet „Mensch” zu sein, auf der Suche nach konkreten Spuren – etwa von Kunst, Sprache oder technologischer Komplexität. Patrick Roberts vom Max-Planck-Institut für Menschheitsgeschichte in Jena und Brian Stewart von der University of Michigan in Ann Arbor richten den Blick nun auf einen anderen Aspekt: Was machte unsere Spezies aus ökologischer Sicht einzigartig? Wie passten sich unsere Vorfahren an neue Lebensräume an? Um dieser Frage nachzugehen, haben Roberts und Stewart Forschungsergebnisse der letzten Jahre ausgewertet, aus denen Informationen über die Verbreitung der Menschenformen im Pleistozän vor 300.000 bis 12.000 Jahren und die Merkmale der damaligen Lebensräume hervorgehen.
Günstige Kombination zweier Grundkonzepte
Wie sie berichten, zeigt sich, dass der Homo sapiens im Gegensatz zu seinen Vorfahren und zeitgenössischen Verwandten eine Vielzahl von herausfordernden Umgebungen kolonisierte, darunter Wüsten, tropische Regenwälder, Höhenlagen und die Paläoarktis. Doch nicht nur das: Er hat sich offenbar auf die Herausforderungen einiger dieser Extremstandorte spezialisiert. Den beiden Anthropologen zufolge zeichnet sich ab, dass sich der Homo sapiens damit eine Art neue ökologische Nische eröffnet hat – die eines generalistischen Spezialisten. Es handelt sich dabei um eine Mischung der beiden Grundkonzepte, die das Tierreich prägen: Generalisten und Spezialisten.
„Es gibt eine traditionelle ökologische Zweiteilung zwischen den Generalisten, die eine Vielzahl von verschiedenen Ressourcen nutzen und vielfältige Lebensräume bewohnen können, wie beispielsweise der Waschbär. Dem gegenüber stehen die Spezialisten, wie etwa die Bambus fressenden Pandabären, die eine spezifischere Ernährung und geringere Toleranz gegenüber wechselnden Umweltbedingungen haben“, erklärt Roberts. Beim Menschen zeichnet sich hingegen eine Mischung ab: „Der Homo sapiens als eigentlich generalistische Art umfasste auch spezialisierte Populationen, wie beispielsweise die Bewohner von Bergregenwäldern oder paläoarktische Mammutjäger“, so Roberts.





