Freilich: Craig Venter stellt seine spezielle Sicht der Dinge dar. Wenn überhaupt, äußert er sich abfällig über Argumente und Vorgehensweisen seiner Konkurrenten. Konfus bleibt dabei das Gezerre um Methoden, Qualität von Daten, Forschungsgelder und persönliche Eitelkeiten. Craig Venter steht zur sehr mitten im Geschehen, als dass er dem Leser einen Überblick verschaffen könnte. Sehr erhellend sind dagegen die Passagen, in denen es um ihn selbst geht. Venter macht sich zum gläsernen Menschen. Sogar sein persönliches Erbgut, das vollständig sequenziert wurde, breitet er vor dem Leser aus. Anschaulich erklärt er, eingebettet in seine Lebensgeschichte, den Stand der genetischen Forschung und wendet sie auf sein eigenes Erbgut an immer selbstbewusst, manchmal selbstgerecht, aber nie selbstzufrieden.
Bald wird klar: Viel stärker als seine Gene haben seine Erfahrungen ihn zu dem gemacht, der er ist als Kind einfacher Leute, als kleiner Bruder, als Sanitäter in Vietnam, als surfender Student in Kalifornien und als Abteilungsleiter bei der US-Gesundheitsbehörde. Der ständige Wettstreit ist das Geheimrezept seines Erfolgs als Wissenschaftler und als Unternehmer. Einer wie Craig Venter kann und will umstritten sein.
Michael Lange




