bdw: Welchen Stellenwert haben für Sie Zitationsrankings, Herr Professor Mlynek?
MLYNEK: Zitationsrankings oder biblio- metrische Analysen sind eine von mehreren Möglichkeiten, wissenschaftliche Leistungsfähigkeit in einem Fach zu bewerten. Hüten sollte man sich allerdings davor, Äpfel mit Birnen zu vergleichen.
bdw: Denken Sie da an ein Ranking, das Sie persönlich betraf?
MLYNEK: Ja, als ich Präsident der Humboldt-Universität war. Da gab es beim Shanghai-Ranking, das jährlich die 500 besten Unis der Welt ermittelt, eine unerfreuliche Auseinandersetzung über die Zuordnung von Nobelpreisen.
bdw: Sind oder waren Sie schon einmal Gutachter in Peer-Review-Verfahren?
MLYNEK: Ich bin häufig als Gutachter in internationalen Kommissionen im Einsatz. Entscheidend für die Bewertung sind für mich die Besuche vor Ort und die Gespräche mit den zu begutachtenden Wissenschaftlern.
bdw: Viele Rankings weisen US-Forschungseinrichtungen an der Spitze und auf mittleren Plätzen aus. Entspricht das Ihrer persönlichen Wahrnehmung?
MLYNEK: Ja, viele US-Forschungseinrichtungen sind in der Tat herausragend. Dort wird das Exzellenzprinzip kompromisslos hochgehalten und eine gute finanzielle Ausstattung ist sichergestellt. Für Studierende und Forscher gilt: „Bright people attract bright people.” Mit der Exzellenz- initiative sind wir in Deutschland dabei, Boden zu gewinnen.
bdw: Gibt es Ihrer Meinung nach bessere Methoden, um die Qualität von Forschung auf einen Blick zu vermitteln?
MLYNEK: Kennzahlen sind ein gutes Werkzeug. Sie müssen aber in Verbindung mit anderen Methoden wie Peer Reviews und Begutachtungen vor Ort eingesetzt werden. Zunehmend wichtiger wird die Bewertung der wissenschaftlichen Qualität in Verbindung mit ihrer stra- tegischen Relevanz, so wie wir das mit unserer „ Programmorientierten Förderung” machen. Statt einzelne Zentren werden dabei wissenschaftliche Pro- gramme unterstützt. Das fördert den Wettbewerb um Forschungsgelder und die Kooperation über Institutsgrenzen hinweg.
bdw: Welche Bedeutung haben die Institutionen der Helmholtz-Gemeinschaft für Top-Wissenschaftler?
MLYNEK: Unsere Zentren bieten Spitzenwissenschaftlern hervorragende Arbeitsmöglichkeiten, insbesondere wenn die Forschung auf komplexer Infrastruktur, modernen Technologieplattformen oder weltweit einzigartigen Großgeräten basiert. Leider entspricht die Bekanntheit der Marke Helmholtz immer noch nicht deren Bedeutung. Das werden wir ändern.
bdw: Verfügt die Helmholtz-Gemeinschaft über eine gesunde Mischung von deutschen und ausländischen Forschern?
MLYNEK: Ja, zurzeit arbeiten rund 4000 Gastwissenschaftler in den Zentren der Helmholtz-Gemeinschaft. Es besteht ein reger Austausch mit Forschergruppen aus aller Welt. Im Übrigen werden auf allen Qualifikationsstufen Wissenschaftler international rekrutiert.
bdw: Was stört Sie an der öffentlichen Diskussion über die Qualität der Helmholtz-Gemeinschaft?
MLYNEK: Die Frage ist falsch gestellt. Wir sind sehr erfolgreich, was sich mittlerweile auch in der positiven öffentlichen Wahrnehmung widerspiegelt.
bdw: Wo möchten Sie mit der Helmholtz-Gemeinschaft in fünf Jahren stehen?
MLYNEK: Die Helmholtz-Gemeinschaft ist eine anerkannte Marke, die sowohl für Qualität in der Grundlagenforschung steht als auch für Problemlösungs- und Systemkompetenz. Unsere 15 nationa- len Forschungszentren leisten wichtige Beiträge zur Bewältigung der „ Grand Challenges” in Bereichen wie Energie, Umwelt oder Gesundheit.
Die Fragen stellte Wolfgang Hess ■




