In den 1970er-Jahren erregte der amerikanische Anthropologe Ernest Becker großes Aufsehen mit der Behauptung, dass es letztlich dieser Wurm gewesen sei, der einst die Pyramiden der Pharaonen baute, die großen Kriege entfachte, die Blüte der Ökonomie und den Erkenntnisfortschritt der Naturwissenschaften befeuerte. Die menschliche Zivilisation sei ein einziger großer Versuch, die nagende Angst vor dem Tod zu bannen, behauptete Becker. Da ihn selbst der Tod viel zu früh ereilte, konnte er den Vorwurf nicht mehr kontern, seine These sei empirisch schlecht belegt.
Diese Aufgabe übernahmen seine Schüler Sheldon Solomon, Jeff Greenberg und Tom Pyszscynski. Sie formulierten die “Terror-Management-Theorie”, um die menschlichen Reaktionsmuster auf den Schrecken der eigenen Sterblichkeit zu beschreiben. Sie identifizierten zwei solche Muster: Gesellschaften entwickeln “Weltanschauungen” und Individuen entwickeln “Selbstwert”, um ihre Todesangst zu bewältigen. Die drei Psychologen verbrachten Jahrzehnte damit, diese Theorie auszufeilen und zu prüfen, an den ersten Höhlenmalereien, an der Geschichte des Anschlags auf das World Trade Center im Jahr 2001, an der Anti-Aging-Bewegung – und ihre Befunde stützen Beckers These eindrucksvoll.
Nun haben sie ihre Theorie in diesem gut lesbaren Buch beschrieben, das man durchaus als Wegweiser zu einem gelungenen Leben sehen kann. Die Empfehlung der Autoren ist, dem eigenen Tod immer wieder ins Gesicht zu schauen und auf diesem Gedanken ein authentisches Leben aufzubauen. Denn wer dem Tod davonläuft, wird umso härter von ihm getroffen.





