Toleranz gegenüber sexuellen Minderheiten ist zwar für viele selbstverständlich. Doch wenn es um den eigenen Nachwuchs geht, sieht die Sache oft anders aus. Manche Eltern reagieren zunächst mit harten Sprüchen wie „Du bist nicht mehr unser Kind”, andere verfallen ins Grübeln und fragen sich: „Haben wir unseren Sohn zu sehr verhätschelt?” Diese Reaktionen sind oft aus dem ersten Schrecken heraus geboren. Man sollte sie also nicht zu stark gewichten. Denn Eltern brauchen Zeit, um sich mit der neuen Situation ver-traut zu machen, so wie Schwule und Lesben selbst häufig erst nach Jahren ein Coming-Out wagen.
Wichtig ist nach Ansicht von Experten zweierlei. Erstens sollten Eltern immer den Kontakt zu ihrem Kind suchen und die Botschaft senden: „So wie du bist, bist du in Ordnung.” Zweitens sollten Eltern sich intensiv mit dem Thema Homosexualität beschäftigen, statt es zu ignorieren. Trotz aller Bedenken und Ängste – etwa: „Kann sich mein Sohn mit HIV infizieren?” – sollten sie darauf setzen, dass ihr Kind sein Leben schon meistern wird. Heterosexuelle Jugendliche sind etwa mit der Gefahr einer sexuell übertragbaren Krankheit genauso konfrontiert.
Nach Auffassung von Gudrun Held, Vorsitzende des Bundesverbandes der Freunde, Eltern und Angehörigen von Homosexuellen (BEFAH), fühlen sich Eltern häufig schuldig und sind enttäuscht, dass sie keine Enkelkinder bekommen. Doch Held beschwichtigt: Auch bei einem heterosexuellen Kind ist ja nicht sicher, dass es später eine Familie gründet. Deshalb gilt: Ruhe bewahren und sich mit den eigenen Vorurteilen, Ängsten und Wünschen auseinandersetzen.




