Erst der englische Arzt Thomas Willis kam im 17. Jahrhundert auf die Idee, im vielfach gefalteten Großhirn könne das Gedächtnis seinen Platz haben. Und Emil du Bois-Reymond maß 1842 in Berlin zum ersten Mal die von Nerven erzeugten elektrischen Ströme. Er benutzte dazu ein Galvanometer, dessen Magnetkern mit 24.160 Windungen aus fünf Kilometer dünnem Kupferdraht umwickelt war. Georg Halske, der Kompagnon von Werner Siemens, hatte es für ihn gebaut.
Die Geschichte der Hirnforschung ist voller Irrungen und Wirrungen. Georg Eckoldt, Philosoph, Germanist und Medientheoretiker, durchmisst in seinem Buch ihre verschlungenen Wege in elegantem Sauseschritt. Wo stehen wir heute? Was wissen wir über das Bewusstsein? Wie deuten wir die Schwingungen, die Hans Berger 1927 aufzeichnete, als er schrieb: “Heureka! Ich habe in der Tat das Elektrenkephalogramm gefunden.”? Längst hat die Metapher, das Gehirn funktioniere wie ein Computer, ihre Schwächen gezeigt. Gleicht das Gehirn eher einem Netzwerk wie dem Internet? Eckoldt ist überzeugt, darüber werde die Menschheit einmal lachen wie über die Vorstellungen von Aristoteles oder Descartes. Auch das milliardenschwere europäische “Human Brain Project” werde uns nicht aus unserer Ratlosigkeit befreien, meint Eckoldt und geht deshalb nur am Rande darauf ein. Eine ärgerliche Ungenauigkeit: Er setzt den Starttermin falsch an – mit 2005 statt mit 2013.
Der deutsche Hirnforscher Frank Rösler hat die Lage so auf den Punkt ‧gebracht: “Wir haben in der ganzen Hirnforschung bisher keinen Einstein. Wir haben noch nicht einmal einen Newton.”





