Immer wieder lösen sich in der Antarktis riesige Eisberge. Sie brechen ab und stürzen ins Meer. Diese Eisberge können die Meeresfauna stören und so das Ökosystem der Antarktis verändern. Das haben amerikanische Forscher der Stanford University festgestellt. Sie hatten Satellitenbilder des Ross-Meeres und des Ross-Eisschelfs ausgewertet, wo sich im Frühjahr 2000 der 10000 Quadratkilometer große Eisberg B-15 gelöst hatte. Der riesige Berg zerfiel innerhalb weniger Monate in mehrere kleinere Teile, die einen Damm vor der antarktischen Küste bildeten. Dadurch konnte weniger Packeis ins Ross-Meer abfließen als sonst – normalerweise freie Meeresgebiete blieben eisbedeckt. Deshalb fiel im folgenden Frühling die wichtige Algenblüte des Phytoplanktons viel schwächer aus als in normalen Jahren. Das Phytoplankton steht am Anfang der antarktischen Nahrungskette und benötigt für seine Entwicklung offenes Wasser. Da diese Bedingung nicht gegeben war, gingen seine Bestände um 40 Prozent zurück. Phytoplankton dient dem Krill als Nahrung. Diese Krebstierchen wiederum werden von Fischen, Seelöwen, Walen und Pinguinen gefressen. Für die Pinguine hatte das Fehlen der Algen dramatische Folgen: Da sie weiter hinaus schwimmen mussten, um Nahrung zu finden, konnten sie sich nicht mehr auf die Nestpflege konzentrieren. Viele Eier wurden nicht ausgebrütet – und wenn der Nachwuchs doch schlüpfte, starben die Jungtiere meist an Hunger und Unterkühlung.
Hans Groth




