Straßenkampf in Argos: Eine Bewohnerin wirft einen Dachziegel auf Pyrrhos, der mit zerschmettertem Halswirbel zu Boden stürzt. Ein Söldner schneidet dem Schwerverletzten den Kopf ab. „So brutal wie banal endete in Argos das abenteuerliche Leben eines der größten Feldherrn des frühen Hellenismus”, resümiert Johannes Nolle eine Episode aus dem unfriedlichen antiken Griechenland.
Eingebettet sind derlei geschichtliche Petitessen in die präzisen Ortsbeschreibungen antiker Stätten, dazu gibt es historische Überblicke und geraffte Darstellungen antiker Mythen. Die beiden Textautoren, ausgewiesene Althistoriker, bürgen für Detailreichtum und Stimmigkeit. So gehen die Bildtexte weit über Bildbeschreibungen hinaus.
Doch hauptsächlich fasziniert das Buch durch seine Bilder: Der Schweizer Fotograf Georg Gerster, der Erfinder der Luftbildarchäologie, hat die sakralen und profanen Bauten Griechenlands aus der Luft erkundet – eben „mit den Augen der Götter”. Erst von oben erschließt sich oft die Monumentalität der Kultbauten, ihre bis heute währende Schönheit und die harmonische Einbettung in die Landschaft.
So entsteht ein Bild mit neuer Ästhe- tik und neuem Wissen, etwa von der Gesamtanlage der Athener Akropolis, das einem zu Fuß nicht zugänglich ist. Prominente Stätten wie Olympia und Mykene erwachen dabei genauso zu neuem, buntem Leben wie weniger besuchte, etwa Philippi oder Ägina. Michael Zick
Johannes Nolle, Hertha Schwarz, Georg Gerster MIT DEN AUGEN DER GÖTTER Philipp von Zabern Mainz 2006 204 S., € 44,90 ISBN 3-8053-3379-X




