Mit wie vielen Jahren haben Sie das erste Mal auf den Auslöser gedrückt?
Mit 10 Jahren. Das war auf einer Messe am Bodensee. Auf meinem ersten Bild war ein Panzer von der Bundeswehr. Als ich das Foto irgendwann in einem Album wiederentdeckt habe, dachte ich: Ist ja witzig, dass ich ausgerechnet einen Panzer fotografiert habe. Meine Botschaft geht eher in die entgegengesetzte Richtung als Bewaffnung.
Sie haben bisher vor allem Landschaften und Tiere fotografiert. Wie kamen Sie dazu, Menschen an den Rändern der Welt zu portraitieren?
Seit 16 Jahren bin ich mit Greenpeace unterwegs und habe schwerpunktmäßig immer Lebensräume auf unserer Erde fotografiert: Wälder, Berge, Wüsten. Der Mensch macht diese Lebensräume kaputt. Für mich war der nächste logische Schritt zu schauen: Wie gehen Menschen mit diesem Wandel um, die viel näher mit der Natur leben als wir. Wir sehen uns mit unserer Zivilisation immer im Zentrum, alles dreht sich um uns. Dieses Projekt soll den Blick auf jene richten, die eben nicht im Zentrum stehen. Die keine Stimme haben, übersehen werden und unter dem Wandel sehr leiden. Deshalb haben wir das aus unserer euro-zentristischen Sicht heraus die Ränder der Welt genannt. Wir schauen, was hinter dem Horizont ist.
Wie haben Sie Kontakt zu den indigenen Volksgruppen aufgenommen?
Das war sehr unterschiedlich. Ich habe 23 Volksgruppen auf vier Kontinenten besucht. Manche sind an Touristen gewohnt, etwa Gruppen in Äthiopien. Und dann gibt es welche, die weit wegen wohnen von dem, was wir als erreichbar bezeichnen. Da braucht es schon mehr Vorbereitung, viel Recherche im Internet. Ich bin seit 30 Jahren unterwegs und habe einige Kontakte, die mir geholfen haben. Bei so einem Projekt reist man nie allein. Ich hatte immer einen Guide dabei, der die Sprachen der Völker spricht. Ich habe auch Schulungen von Greenpeace durchlaufen, damit ich mit indigenen Völkern richtig umgehe und mit meinem Verhalten keinen Mist baue.
Waren die Menschen sofort damit einverstanden, fotografiert und gefilmt zu werden?
Das ist genauso vielfältig wie die Vielfalt der Leute. Wer Touristen kennt und ein Geschäftsmodell daraus gemacht hat, schminkt sich schön und lässt sich gegen Geld fotografieren. Das ist fair: Diese Menschen können oftmals ihre ursprüngliche Lebensweise nicht mehr leben, weil man ihnen etwa ihr Land geraubt hat. Mit den Fotos kann man ihnen helfen, in dieser Übergangsphase ein gewisses Einkommen zu generieren.





