Seit ein paar Jahren ist es still geworden um die Bionik, den einstigen Liebling der Presse. Denn der erhoffte Schulterschluß von Biologie und Technik ist bislang ausgeblieben. Einer der führenden Bioniker Deutschlands, Prof. Werner Nachtigall, präsentiert nun zusammen mit dem Journalisten Kurt Blüchel das Thema in einem opulenten Bildband.
Die ästhetischen Fotos zeigen die Natur aus der ungewohnten Sicht des Technikers. Da gibt es Aufnahmen von Kieselalgen mit ihrem ebenso filigranen wie robusten Skelett, von einer Kopflaus, die sich mit den Klauen wie mit Steigeisen an einem Haar festklammert, und von einem Adler, der wie ein Militärflugzeug seiner Beute nachjagt. Beeindruckend sind die zahlreichen Makroaufnahmen und die Gegenüberstellung von natürlichen und technischen Konstruktionen. Schon beim Durchblättern wird klar: Alles, was der Mensch mühsam – und meist stümperhaft – entwickelt hat, nutzen Tiere und Pflanzen schon seit Jahrmillionen, ob Zange, Klettverschluß, Leichtbauweise oder Nanotechnologie.
Die Texte können mit der optischen Qualität leider nicht immer mithalten. Manchmal sind die Beschreibungen reichlich nebulös. Es scheint fast, als wollten die Autoren verschleiern, daß die Natur den Technikern noch eine Nummer zu groß ist. Bislang jedenfalls haben Bioniker die Ingenieure kaum inspiriert. Doch der Band gibt einen guten Überblick – und lohnt den Kauf allein schon wegen der exzellenten Fotos.
Klaus Jacob




