ENDE DER SPRINGPROZESSION Wie das Wahlergebnis am 18. September auch immer lautet: Wir sollten das Votum zum Anlass nehmen, die Herausforderungen der Zukunft endlich kraftvoll anzugehen.
Wie Finnland: Der Niedergang der Sowjetwirtschaft zu Beginn der Neunzigerjahre zog auch dieses Land in tiefe Rezession. Unterdessen steht Finnland weltweit als das Musterland bei Bildungs- und Technologiepolitik da. Ursache ist ein ausgeprägter politischer Konsens darüber, was dem Land gut tut (mehr dazu ab Seite 58).
Wie Indien: Dort kann man sich den Luxus einer jahrelangen Diskussion über Wohl oder Wehe von gentechnisch veränderten Nahrungspflanzen nicht leisten. Man baut sie an, weil über eine Milliarde Menschen ernährt werden müssen, und baut darauf, dass die negativen Auswirkungen zu beherrschen sind (mehr dazu ab Seite 18).
So zupackend diese beiden Länder ihre Zukunft angehen, so zerfasert ist vieles in Deutschland. Die zukünftige Energieversorgung zum Beispiel gleicht der Echternacher Springprozession – erst einen Schritt nach rechts, dann nach links, dann einen geradeaus: Erst war es die Kohle, die hochgelobt wurde und uns vom Ausland unabhängig machen sollte, dann galt die Kernenergie als Heilsbringer. Mal hieß es, Energiesparen sei unsere einträglichste Energiequelle. Dann maß man dem Wind das Potenzial zu, den Elektrizitätshunger zu stillen, um Atomkraft – und Kohle gleich mit – aufs Altenteil schieben zu können.
Kraftvoll ist etwas anderes: Nämlich das eine zu tun und das andere nicht zu lassen. Kohlevorkommen im eigenen Land zu nutzen und gleichzeitig den CO2-Ausstoß zu verringern. Wind zu verstromen und dennoch nicht das ganze Land zu verunstalten. Bestehende Kernkraftwerke zu nutzen, bis die Alternativen wirklich bereitstehen (mehr dazu in der Titelstory ab Seite 84).
Viele Wege führen nach Rom, heißt es im Volksmund. Es ist höchste Zeit, uns auf diese Weisheit zu besinnen. Den Pioniergeist, die Wege gemeinsam zu beschreiten, müssen wir jetzt aufbringen.





