RezensionAllgemein

Eine ganz persönliche Geschichte

Autor: Redaktion wissenschaft.de

Leicht verständlich und unterhaltsam verknüpft der New Yorker Arzt Siddhartha Mukherjee die Geschichte der Genforschung mit seiner eigenen Familiengeschichte. Wie in seinem Meisterwerk "Der König aller Krankheiten" über Krebs erzählt er auch hier komplizierte Wissenschaft als spannende Geschichte. Immer wieder ereilen …

Eine ganz persönliche Geschichte
Leicht verständlich und unterhaltsam verknüpft der New Yorker Arzt Siddhartha Mukherjee die Geschichte der Genforschung mit seiner eigenen Familiengeschichte. Wie in seinem Meisterwerk “Der König aller Krankheiten” über Krebs erzählt er auch hier komplizierte Wissenschaft als spannende Geschichte. Immer wieder ereilen die Familie Mukherjee in Indien schwere Schicksalsschläge. Onkel Moni leidet unter Schizophrenie und landet schließlich in einer “Irrenanstalt”. So nennt Vater Mukherjee die Klinik, in der er seinen Bruder nur selten besucht. Onkel Rajesh ist ebenso temperamentvoll wie genial, aber er eckt oft an und wird von tiefer Melancholie gequält. “Bipolare Störung” lautet die Diagnose der Psychiater. Indem Siddhartha Mukherjee das Schicksal seiner Verwandten beschreibt, beschäftigt er sich mit der eigenen Abstammung. Er will wissen, welche Rolle die Gene bei psychiatrischen Krankheiten spielen, und so macht er sich auf die Spuren – suche nach den Anfängen der Genetik.
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Alles begann mit Gregor Mendel, einem Mönch, der im Klostergarten um 1860 mit Erbsen experimentierte. Dabei entdeckte er grundlegende Mechanismen der Vererbung und begründete eine neue Wissenschaft, ohne dass die Welt dies zur Kenntnis nahm. Der nächste große Schritt folgte in den 1920er-Jahren im sogenannten Fliegenraum der New Yorker Columbia-Universität. Dort entdeckten Thomas Hunt Morgan und seine Mitarbeiter, dass Gene auf Chromosomen im Zellkern angeordnet sind. Und so ging es weiter – über die DNA-Doppelhelix, die Entwicklung der Gentechnik bis zum Human-Genom-Projekt und zur Epigenetik.

Allerdings bezeichnet Mukherjee fälschlicherweise jede Wirkung von Umwelteinflüssen auf einen Organismus rundweg als Epigenetik. Das passt zwar gut in seine Geschichte, ist aber nicht korrekt. Denn Epigenetik beschreibt nur solche Einflüsse auf Erbmoleküle, die nicht auf Mutation beruhen, aber dennoch von Zelle zu Zelle weitergegeben werden. Trotz dieser Schwäche ist Mukherjee ein einzigartiges Wissenschaftsepos gelungen.

Siddhartha Mukherjee
DAS GEN
Fischer, Frankfurt/M. 2017, 768 S., € 26,– ISBN 978–3–1000–22714
E-Book für € 22,99 ISBN 978–3–1040–33273

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