Wenn wir von einem blauen Kreis sprechen, können sich andere Menschen recht genau vorstellen, was wir damit meinen. Bei Gerüchen dagegen fällt es uns deutlich schwerer, sie so zu beschreiben, dass andere sich darunter etwas vorstellen können. Denn anders als bei der Verarbeitung von Wellenlängen des Lichts im Gehirn, lässt sich bis heute aus der chemischen Zusammensetzung von Stoffen in unserer Umgebung nicht ohne Weiteres auf deren Geruch schließen.
Schnuppern für die Wissenschaft
Ein Team um Antonie Bierling von der Friedrich-Schiller-Universität Jena möchte dieses sogenannte Stimulus-Perzept-Problem beheben. Dazu haben die Forschenden in zwei Studien tausende von Testpersonen beschreiben lassen, wie sie Gerüche wahrnehmen. „Die chemische Struktur von allem, was sich in unserer Umgebung befindet und was wir riechen können, ist in der Regel sehr komplex. Welchen Geruch die einzelnen chemischen Bestandteile aussenden, können wir meist nicht genau sagen, da je nach Zusammensetzung die einzelnen Stoffe an unterschiedlichen Rezeptoren in der Nase andocken“, erklärt Bierling. „Wie beispielsweise eine bestimmte Menge Kohlenstoffatome riecht, wissen wir nicht.“
Für die erste Studie ließen die Forschenden über 1200 Probanden an 74 chemisch sehr einfach strukturierten Geruchsproben schnuppern. Dabei sollten die Testpersonen zum einen mit eigenen Worten beschreiben, wie sie den Geruch wahrnahmen, und zum anderen anhand von Ratingskalen unter anderem einstufen, wie intensiv, angenehm und vertraut der Geruch ihnen ist. Den Geruch des Moleküls Cuminaldehyd, das unter anderem in Kreuzkümmel vorkommt, beschrieben die Testpersonen beispielsweise mit Wörtern wie „süß“, „würzig“ und „indisch“. Alle Ergebnisse hat das Team in einer Datenbank zusammengefasst, deren Inhalt über eine eigens dafür eingerichtete Webanwendung abrufbar ist.
Auf dem Weg zu einer digitalen Nase
Aus Sicht der Forschenden könnten die Ergebnisse dazu beitragen, eine digitale Erkennung von Gerüchen zu ermöglichen. „Unser Smartphone beispielsweise kann unser Gesicht oder unsere Stimme erkennen – beim digitalen Riechen allerdings stoßen die Entwicklerinnen und Entwickler noch an grundlegende Grenzen“, erklärt Bierlings Kollege Alexander Croy. „Mit Hilfe solcher Forschungsergebnisse kommen wir der elektronischen Nase aber schon näher und können möglicherweise irgendwann sogar den eigenen Körpergeruch identifizieren.“
Dem Körpergeruch haben Bierling und ihr Team zudem ein eigenes Projekt gewidmet. „Wir wissen, dass sich bestimmte Krankheitsbilder auf den Körpergeruch auswirken. Bei der Erkennung und Diagnostik von Krankheiten kann es also sehr hilfreich sein, ihn detailgenau zu erfassen“, erklärt Bierling. „Allerdings lässt sich das nicht gut artikulieren, da das Vokabular für die Beschreibung des Körpergeruchs noch immer stark begrenzt ist.“





