Der Traum heute früh war unerfreulich: „Dein Artikel ist unverständlich, zudem enthält er viel zu oft das Wörtchen ,da‘ “, erklärte mir Reinhard – und verwies auf die Beiträge von Kollegen, die Sachverhalte weit verständlicher darstellen könnten. Traumforscher wissen mit diesem nächtlichen Erlebnis gewiss mehr anzufangen als ich. Tragisch für mich: Träume dieses Formats habe ich häufiger, dagegen habe ich noch niemals davon geträumt, ausgezeichnet zu werden. Dabei hatte ich mir doch ausgerechnet gestern vorgenommen, im Editorial einmal darauf einzugehen, was zu den schönsten Aufgaben eines Chefredakteurs gehört: journalistischen Preisträgern als Erster zu gratulieren! So durfte ich in der vergangenen Woche drei Männern und einer Frau die gute Nachricht überbringen, dass sie beim diesjährigen deutschen preis für wissenschaftsfotografie gewonnen haben. Über die prämierten Fotos und die Preisträger berichten wir ab Seite 58.
Und soeben habe ich mich mit Christian Jung unterhalten, der für seinen Beitrag über die Entstehung von Alzheimer und Parkinson, „Braaks fataler Verdacht” (bdw 6/2011), am 29. September von der Deutschen Gesellschaft für Neurologie ausgezeichnet wurde. Christian Jung – im Hauptberuf für die VolkswagenStiftung in Hannover tätig – ist mir bereits bei seinem ersten Beitrag für bild der wissenschaft aufgefallen. Im Bericht „ Ich baue auf die Forschung” beschrieb er so packend und lebensnah die Nöte eines Parkinsonkranken, dass es uns schwer fiel, sein viel zu lang geratenes Manuskript für unsere Sonderausgabe „ Lebenswert” (beigelegt in bdw 1/2011) zu kürzen. Die Beiträge von Jung haben den nötigen Tiefgang, den man in anderen Medien häufig vermisst. Gerade solche Autoren machen die Qualität von bild der wissenschaft aus.
Unsere aktuelle Titelgeschichte ist ein weiteres Beispiel dafür. bdw-Redakteurin Judith Rauch beschreibt darin gleichermaßen übersichtlich wie detailreich, warum die Evolution bei höheren Lebewesen eine zweigeschlechtliche Paarungsgemeinschaft hervorgebracht hat. Eine gute Titelgeschichte in bild der wissenschaft zeichnet sich freilich auch durch ihre Mehrdimensionalität aus: Sie enthält Beiträge, die ein Thema nicht nur vertiefen, sondern auch breit aufspannen.
Das Thema Sex auf dem Titel von bild der wissenschaft? „Die haben es wohl nötig”, werden manche sagen. Wenn Sie die Beiträge gelesen haben, werden Sie hoffentlich meiner Meinung sein: nämlich, dass wir ein Megathema unserer Gesellschaft überraschend weitergedreht haben. Übrigens: Seit der Ausgabe 1/2000 ist es das erste Mal, dass unser Titel kein Bildmotiv zeigt – in bewusstem Gegensatz zu den gängigen Praktiken beim Thema Sex.





