Der unerschrockene Entdecker, Naturforscher und Geograf Leichhardt hätte es verdient, dass er durch sein Jubiläumsjahr deutschlandweit bekannter wird als bisher. In Australien, wo er 1842 einreiste, ist sein Name viel geläufiger als hierzulande – nicht zuletzt sind ein Gebirgszug, mehrere Gewässer, diverse Stadtteile und ungezählte Straßen nach ihm benannt. Er gehört zu den großen Pionieren Australiens.
Der aus dem Königreich Preußen gekommene Wissenschaftler fand auf seiner ersten Expedition 1844/1845 einen Landweg von Brisbane/Queensland an der Ostküste bis zum 4800 Kilometer entfernten, einsamen Stützpunkt Port Essington an der Nordküste. Das gesamte Inland Nordaustraliens war damals ein weißer Fleck auf der Landkarte des britischen Kolonialimperiums. Leichhardt kartierte nicht nur die Route in den Norden des fünften Kontinents und notierte eine Fülle von landeskundlichen Beobachtungen – er entdeckte en passant auch das bis heute größte Kohlelager Australiens. Sein „Tagebuch einer Landreise in Australien” ist ein zeitgeschichtliches Dokument erster Güte.
Verschwunden in Australien
Von den britischen Kolonisten für seine wagemutige Tat gefeiert, fasste Leichhardt einen noch ehrgeizigeren Plan: die Durchquerung Australiens von Ost nach West, von Brisbane nach Perth. 1846 nahm er das Projekt in Angriff, musste aber nach fünf Monaten umkehren. Hartnäckig verfolgte er sein Ziel weiter. Im Frühjahr 1848 brach er in Begleitung von sechs Reisegefährten – darunter wieder zwei Aborigines – zu seiner dritten Expedition auf. Es ist noch heute mysteriös, warum das halbe Dutzend Menschen mitsamt Pferden und Gepäck fast spurlos verschwand.
Der Affenbrotbaum, an dem ein australischer Ureinwohner im Jahr 1900 ein halb verbranntes Gewehr mit Leichhardts Namen auf einem Messingplättchen fand, steht in der Nähe des Sturt Creek, etwas südlich des Kimberley-Plateaus in Nordwestaustralien, zwischen Tanami Desert und Great Sandy Desert. Materialkundler am National Museum of Australia haben 2006 mit eingehenden Untersuchungen per Rasterkraftmikroskop nachgewiesen, dass das Messingplättchen keine neuzeitliche Fälschung ist. Es ist der einzige konkrete Hinweis auf die Region, in der die Reisegruppe den Tod gefunden haben dürfte.
Der Fundort des Gewehrs zeigt: Leichhardt hat offenbar seine Expedition nicht auf gerader Linie von Brisbane in Richtung Perth geführt, sondern klugerweise einen Bogen nach Norden geschlagen – hier bestand mehrere Male die Chance, auf nordwärts verlaufende Flussbetten zu treffen und dort ein Wasserloch graben zu können. Genützt hat das am Ende freilich nichts.




