Darwin ging davon aus, dass es eine Überproduktion an Nachkommen gibt, unter denen die an die Umweltbedingungen Bestangepassten überleben. An keiner Stelle behauptete er, Individuen würden gezielt ihre Erbanlagen weitergeben. Dies aber suggerieren Ausdrücke wie: „Eigentlich sollten Adoptionen nicht-verwandter Tiere in der Natur nicht vorkommen, weil dadurch Zeit und Energie in fremde Gene gesteckt und damit Konkurrenten zu einem Vorteil verholfen wird.” Was wir in der Gegenwart sehen, ist schlicht das Ergebnis dessen, was in der Vergangenheit funktioniert hat. Wenn es funktioniert hat, dass Gene von Individuen dadurch weitergegeben werden, dass die Gene anderer Individuen nicht weitergegeben werden, dann hat das eben funktioniert. Kein Widerspruch zur Darwin’schen Theorie. Andrea Vierschilling, per E-Mail
Pro/Kontra Vorsorgemedizin
Heft 4/2015
Als mammographisch tätiger Radiologe an einem Onkologischen Zentrum, der jeden Tag mit Mammakarzinom-Patientinnen umgeht, kann ich versichern: Nach zwei bis drei Jahren führen die meisten geheilten Patientinnen ein ganz normales Leben und sind froh, am Screening teilgenommen zu haben. Meines Erachtens wird die „ psychische Belastung” in den maximal 4 Wochen der diagnostischen Abklärung massiv überbewertet. Folgen der Diskussion: Die Bereitschaft der Frauen, am Screening teilzunehmen, geht zurück. Die nicht heilbaren Karzinomstadien werden wieder zunehmen. Dr. med. Rolf Emmert, per E.Mail
Erdgas-Fracking in Deutschland
„Ihre Meinung ist gefragt”, Heft 5/2015
Wer sich ernsthaft über Fracking informiert, zum Beispiel bei der acatech, und nüchtern den Nutzen und die Risiken abwägt, wird zu einer Bejahung des Fracking kommen. Das Video, das zeigt, wie Gas aus einem Wasserhahn strömt, ist eine Fälschung. Das Grundwasser ist nicht gefährdet. Gefrackt wird in einer Tiefe von 3 bis 5 Kilometern, also in viel tieferen Schichten.
K. Wiegner, per E-Mail
Selten habe ich einen so einseitigen Artikel in bild der wissenschaft gelesen. Bei ordentlicher Handhabung des Frackings glaube auch ich, dass eine Gefahr für das Grundwasser sehr gering ist. Dennoch: Wie kann Fracking allgemein einen Freispruch bekommen, wenn es massive Umweltschäden in den USA verursacht hat? Viel schlimmer aber an dem Artikel finde ich den journalistischen Umgang mit der Erdbebengefahr durch Fracking. Da heißt es, dass am 16. Juni 2014 eine(!) Erdölbohrung(!) in Mecklenburg-Vorpommern simuliert(!) wurde und Spezialdienstleister(!) keine Erschütterungen, also keine Erdbeben feststellen konnten (in welchem Zeitraum?). Soll dies der „wissenschaftliche Beweis” sein, dass Fracking keine Erdbebenbedrohung ist. Eine simulierte Erdölbohrung?
In den Niederlanden kommt es nach langjährigem Fracking in der Region Groningen seit 1986 zu immer heftigeren Erdbeben, die dort auf das Fracking zurückgeführt werden. Davon erfährt man im Artikel nichts. Von „Freispruch fürs Fracking” kann in keinster Weise die Rede sein. Ganz im Gegenteil!
Lutz Langer, per E-Mail
In allen Diskussionen wird der Begriff Risiko reduziert auf die Wahrscheinlichkeit, mit der ein bestimmtes Schadensereignis oder ein Störungsfall an einer technischen Einrichtung oder einem System eintreten kann. Dies wird immer verbal herunter gespielt und an einem herausgegriffenen Detail durchgeführt, das dann leicht zerpflückt werden kann.
Auch Ihr Interviewpartner Prof. Kümpel drückt sich auf die Frage nach der Undichtigkeit eines Bohrloches sehr wage aus: … man könne es mit hoher Sicherheit ausschließen. Eine positive Redewendung, die verschleiert, dass man es eben nicht mit absoluter Sicherheit ausschließen kann, das heißt die Wahrscheinlichkeit für eine Undichtigkeit ist sehr gering. Verschwiegen wird aber, dass diese Aussage für jedes Bohrloch gilt, das heißt, bei 100 Bohrlöchern steigt die Gesamtwahrscheinlichkeit einer Undichtigkeit proportional um den Faktor 100.
Die Höhe des Schadens durch Kontaminierung des Grundwassers wird nicht angesprochen, sondern nur auf „gleichlautende geowissenschaftliche Studien” verwiesen. Irrtum ausgeschlossen? Hinzu kommt noch, dass viele Risiken und Schäden erst erkannt werden, wenn eine bestimmte Technologie im großen Stil und längere Zeit angewendet wird.
Es gibt seit vielen Jahren für den technischen Bereich eine international gültige anerkannte Norm für „Allgemeine Gestaltungsleitsätze – Risikobeurteilung und Risikominderung”, die ISO EN DIN 12100. Formal ist diese Norm nur für einen Teilbereich der Technik gültig. Sie ist aber so allgemeingültig abgefasst, dass ihr Gedankengut für fast alle Bereiche anwendbar ist. Risiko ist demnach die Kombination der Wahrscheinlichkeit des Eintritts eines Schadens und seines Schadensausmaßes. Risiko besteht also erstens aus der Wahrscheinlichkeit für einen bestimmte Schadenseintritt und zweitens aus der Höhe des dabei auftretenden Schadens. Das heißt eine geringe Eintrittswahrscheinlichkeit, verbunden mit einem hohen Schaden kann durchaus ein hohes Risiko darstellen. Dieter Lenzkes, per E-Mail




