Was für eine Frau: Begnadete Mathematikerin, Philosophin und Naturwissenschaftlerin. Korrespondiert mit den wichtigsten Geistesgrößen ihrer Zeit. Begründet die experimentelle Physik, übersetzt Newtons „Principia” und interpretiert ihn im Leibniz’s chen Sinn völlig neu. Radikal im Denken, exzessiv in der Liebe und im Spiel.
Émilie du Châtelet ist wohl eine der faszinierendsten Persönlichkeiten der französischen Aufklärung. Ihr Verhältnis zu Voltaire, das 16 Jahre währte – bis zu ihrem Tod 1749 –, war eine Affäre, die von geistiger Auseinandersetzung ebenso geprägt war wie von erotischer Obsession. Zwei extreme Persönlichkeiten trafen da zusammen: Der gefeierte und verfolgte Dichter, Historiker und Philosoph und die Wissenschaftlerin, die sich nie mit den Grenzen abfinden mochte, die das absolutistische Frankreich ambitionierten und intellektuellen Frauen setzte. Die lebhafte Korrespondenz der beiden lässt über deren Eigenarten und Befindlichkeiten wenig Zweifel.
Der amerikanische Sachbuchautor David Bodanis hat sich mutig in die Wirrungen des 18. Jahrhunderts gestürzt und sich an einem opulenten Zeit- und Beziehungsgemälde versucht. Émilie zeichnet er als schöne, scharf umrissene Charakterstudie, wogegen der Mann an ihrer Seite ein eher klägliches Bild abgibt – Werk und Wirkungskraft des sprachmächtigen Aufklärers kommen eindeutig zu kurz. Vollends zur Karikatur geraten ist der Hof zu Versailles und Friedrich der Große. Seinen Reiz bezieht das Werk aus der anekdotischen Fülle und auch aus der Unbefangenheit, mit der Bodanis an ein höchst komplexes Stück europäischer Kultur- und Geistesgeschichte herangeht. Hans Schmidt
David Bodanis ÉMILIE UND VOLTAIRE Rowohlt, Hamburg 2007 443 Seiten, € 22,90 ISBN 978-3-498-00645-2




