Der Guide schaltete den Motor aus und raunte den Gästen auf den drei hinteren Sitzreihen zu, dass sie nun zu den Löwen kämen. Fotografieren sei erlaubt. Aber sie müssten unbedingt auf ihren Plätzen sitzen bleiben. Auf keinen Fall dürften sie aufstehen und damit aus dem Umriss des Geländewagens herausragen. Es war ein offener Landrover. Und der Guide steuerte auf ein Löwenpaar zu. Im Abstand von weniger als zehn Metern hielt er an und gab den Gästen minutenlang Gelegenheit, an der Sicherheit eines offenen Geländewagens zu zweifeln. Doch der Fotostopp verlief ohne Zwischenfall.
Tierangriffe auf ein Fahrzeug gehören zu den seltenen Ausnahmen in Busch und Savanne. Zwar bieten einige afrikanische Nationalparks ihre Fotosafaris in geschlossenen Kleinbussen an, von denen manche nach wie vor als Zebra getarnt sind. Doch Tierforscher haben herausgefunden, dass Tarnung und ein festes Gehäuse keine zusätzliche Sicherheit bringen. Entscheidend ist, dass das Automobil den afrikanischen Großsäugetieren in ihrer Evolutionsgeschichte weder als Beute noch als Feind begegnet ist. Ein Safari-Fahrzeug, ob offen oder nicht, stellt mit seinen vier bis sechs Sitzreihen ein Neutrum dar. Und als Bewohner von Reservaten und Naturparks sind die Wildtiere daran gewöhnt. Sie wissen, dass von diesen Dingern auf vier Rädern keine Gefahr droht.
Ganz anders verhalten sich die Tiere Afrikas gegenüber den viel kleineren Geländewagen von Veterinären und Forschern. Da ihnen aus den Gefährten hin und wieder ein Pfeil ins Fleisch geschossen wird, der sie betäubt zu Boden streckt, meiden sie die Autos. Letztlich entscheidet also das menschliche Verhalten, ob ein Tier ein Fahrzeug toleriert. Wenn ja, dann lassen Löwe, Elefant und Giraffe den Homo sapiens, sofern er hübsch im Wagen bleibt, so nahe an sich heran wie sonst nie.





