Weil er mit der Ausrichtung seines Arbeitgebers nicht mehr einverstanden sei, erfuhr ich über einen Gewährsmann. Der Ingenieur wirft seinem Unternehmen vor, sich unzureichend mit Produkten zu beschäftigen, die dem entgegenkommen, was junge Menschen mehr und mehr in Anspruch nehmen wollen: innovative und umweltfreundlichere Mobilitätskonzepte.
Wie Umfragen zeigen, ist der Besitz eines eigenen Fahrzeugs in Deutschland bei jungen Städtern weniger wichtig als noch vor ein paar Jahren. Insofern ist der von unserem Redaktionsmitglied Henrike Wiemker ab Seite 80 vorgestellte Björn Peterhoff ein Beispiel, das immer mehr „Follower” hat. Für Peterhoff, der in Stuttgart lebt und arbeitet, kommt ein eigenes Auto nicht infrage: „Hier in der Stadt brauche ich es nicht.”
Wie sich die Zeiten ändern: In den 1970er-Jahren war der Führerschein kurz nach – oder am besten zur – Vollendung des 18. Lebensjahres obligatorisch. Wer später mit dem Fahrunterricht an- fing – wie ich mit 21 –, musste sich im Freundeskreis schon eine sehr gute Ausrede einfallen lassen, um nicht als „Langeweiler” abgestempelt zu werden. Und das eigene Auto gehörte einfach dazu.
Heute dagegen bewertet der Münchner Soziologe und Jugendforscher Claus Tully eine Entscheidung gegen den eigenen Wagen als moderne Lebensart. Junge Menschen würden nicht nur deshalb auf ein Auto verzichten, weil der Unterhalt immer teurer wird, sondern auch der Fitness wegen. Fahrradfahren ist angesagt! Tully: „Die Körperlichkeit spielt bei der Jugend heute eine größere Rolle als bei früheren Generationen.” Auch in der bdw-Redaktion wächst die Zahl der Kollegen, die sich bewusst gegen ein eigenes Auto entscheiden. Dabei sind sie oft sogar mobiler, als ich es in ihrem Alter war.
Insofern trifft der Vorwurf des 50-jährigen Ingenieurs über die unzureichende Beschäftigung seines deutschen Autokonzerns mit alternativen Mobilitätsprodukten den Nagel auf den Kopf. Absatzprobleme hat die Firma dennoch nicht. In der förmlich explodierenden chinesischen Volkswirtschaft beispielsweise erfreuen sich deutsche Mittel- und Oberklassefahrzeuge wachsender Beliebtheit: Je größer das Fahrzeug, desto angesehener der Besitzer.
Es besteht die Gefahr, dass noch mehr Autowerke dorthin verlagert werden, wo der Markt brummt. Diesen Wertschöpfungsverlust hierzulande könnte der Aufbau intelligenter Mobilitätskonzepte mildern. Also bitte bei der flächendeckenden Umsetzung Fahrt aufnehmen, sehr geehrte deutsche Autobauer!





