Herr Wirth, wie geht es Ihnen mit Ihren polyamoren Beziehungen?
Relativ gut! Manchmal ist es wie ein erotisches und emotionales Schlaraffenland. Aber es gibt auch schwierige Phasen.
Klingt nach reichlich „Beziehungsarbeit”?
Stimmt, manchmal mehr als in einer monogamen Beziehung. Aber man bekommt auch mehr zurück.
Was bedeutet Polyamorie?
Polyamorie heißt, sich für mehrere Liebesbeziehungen zu entscheiden, die auch Erotik und Sex einschließen. Wichtig sind dabei langfristige Verbindlichkeit und emotionales Geben und Nehmen. Man muss sich wirklich einlassen können. Gleichberechtigung ist ein weiteres wichtiges Element: Frauen und Männer dürfen mehrere Beziehungen führen. Und ganz entscheidend ist Offenheit. Es gibt keine Heimlichkeit.
Wie realisieren Sie das im Alltag?
Ich habe eine Frau, sozusagen meine Haupt-Frau. Daneben pflege ich weitere Beziehungen mit Partnerinnen, die ich ungefähr einmal monatlich treffe. Entsprechend pflegt auch meine Frau ihre sexuellen und emotionalen Freundschaften mit anderen Männern.
Und das geht reibungslos? Was ist, wenn einer der anderen Männer Ihre „Haupt-Frau” monopolisieren will?
Die Gefahr besteht. Um das zu verhindern, ist das Umfeld entscheidend. Bevor ein neuer Partner oder eine neue Partnerin in unser Leben tritt, prüfen wir den Kandidaten oder die Kandidatin ein halbes Jahr lang und entscheiden dann gemeinsam, ob wir ihn oder sie in unser polyamores Netzwerk aufnehmen.
Und das läuft alles ohne Eifersucht ab?
Ich bin schon eifersüchtig. Aber der Grad von Eifersucht ist formbar. Man kann trainieren, nicht mehr so eifersüchtig zu sein. Heute bleibt da nur noch, sagen wir, ein kleiner unangenehmer Kitzel.




