Scharlatane, die Gold zu machen vorgaben, Geheimbündler, die dem Stein der Weisen auf der Spur waren – das ist das gängige Bild von den Alchemisten. Weit gefehlt, wie schon der Chemiker Justus von Liebig vor mehr als 150 Jahren wusste. Die Hoffnung, unedle Metalle in edle verwandeln zu können, wozu auch der Stein der Weisen dienen sollte, entsprang vor allem der Suche nach der Veredelung des Menschen selbst.
Der Stuttgarter Biologe Dirk Suhr erzählt – kurz, eingängig und spannend zu lesen – die Geschichte der Alchemisten seit der ägyptischen Spätantike bis zur industriellen Revolution als eine Vorgeschichte der modernen Chemie, auch wenn das ganzheitliche System der Alchemie natürlich auf einer ganz anderen Naturerklärung basierte. Schaut man auf Alchemisten-Namen wie Newton, wird klar, dass hier die frühen Wegbereiter der modernen Wissenschaft und vor allem der Medizin vorgestellt werden. So wurde der berühmte Opodeldok, ein heute noch in der Volksmedizin gebräuchliches Rheumamittel – eine Mischung aus Seife, Kampfer, Rosmarin und Thymian – schon um 1500 von Paracelsus erfunden. Und ohne die „Iatrochemie” der frühen Neuzeit, die Organfunktionen als chemische Prozesse deutete, würde die Medizin heute anders aussehen.
Noch eine Warnung zum Schluss: Wer auf esoterisch-magische Unterhaltung hofft, sollte dieses Buch lieber nicht in die Hand nehmen.
Dirk Suhr DIE ALCHEMISTEN Jan Thorbecke, Ostfildern 2006 176 S., € 22,90 ISBN 3-7995-0163-0
Michael Dallapiazza




