Wabernde gelbe und grüne Farbkleckse kriechen über eine Landkarte von Deutschland: Aufnahmen von Regenradarstationen, die zeigen, wann, wo und wie stark der Himmel seine Schleusen öffnet. Daneben drehen sich Wolkenspiralen über einer Karte von Europa. Bunte Grafiken und Animationen, wie sie zum Beispiel die Seiten von i-Meteo mit ihren aktuellen Wetterinformationen und Prognosen auf den Handy-Bildschirm zaubern, wären in Zeiten des ersten Angriffs auf das mobile Internet via WAP undenkbar gewesen. i-Mode aber macht das nun möglich. Anders als bei dem gemeinhin als langweilig und langsam geschmähten WAP erscheinen die Web-Seiten bei i-Mode bunt, bewegt und reich an Details auf dem Display. Der Online-Service, den Kunden von E-Plus seit einigen Wochen nutzen können, gibt damit einen Vorgeschmack auf das, was die Mobilfunkanbieter für das kommende UMTS-Zeitalter versprechen: Internet- Seiten auf dem Handy – so wie man sie vom heimischen Computer kennt. Dabei ist die Handhabung des mobilen Web-Zugangs kinderleicht: den i-Mode- Button auf dem NEC-Handy drücken, das bei Vertragsabschluss mit erworben wird, sich durch einige Auswahlmenüs hangeln – und es kann munter gesurft werden. Locality liefert Infos über die besten Läden, Cafés und Hotels in über 20 Großstädten und Ballungsräumen, und Jamba hält zahllose Handy-Logos und Klingeltöne aller denkbaren Musikrichtungen zum Herunterladen bereit. Über 70 Anbieter haben speziell für einen Zugriff per i-Mode zugeschnittene Web-Seiten für mobile Internet-Surfer. Viele Angebote sind jedoch kostenpflichtig und teilweise recht teuer. Die Inhalte erscheinen in hervorragender Farbqualität und gestochen scharf auf dem Dispaly des NEC n21i. Der Aufbau der Online- Seiten und die Übertragung von Daten gehen schnell – dank der Nutzung des GPRS-Standards für den Weg durchs Internet. Doch nicht immer läuft alles reibungslos. So streikte i-Mode im Test bei dem Versuch, auf der Website von „Prinz Online” nach aktuellen Veranstaltungstipps zu suchen. Die Seiten, so die Fehlermeldung, seien für einen Aufruf per i-Mode zu groß – der Zugang zu Prinz blieb verwehrt. Auch bei den Inhalten mancher Web-Seiten gerät man bisweilen ins Staunen. So fehlen bei Cinema teilweise Informationen zu den aufgelisteten Filmen, andere Infos sind schlichtweg falsch – etwa, wenn Filme, die bereits im Kino laufen, als „noch nicht fertig gestellt” deklariert werden. Als richtig ärgerlich erwies sich im Test die lausige Empfangsqualität des NEC-Mobiltelefons. Immer wieder war der Weg ins mobile Web versperrt, weil das n21i keine Verbindung zum Netz von E-Plus aufbauen konnte. Dass dies nicht am Mobilfunknetz selbst lag, zeigte sich rasch beim Einsetzen der SIM-Karte in ein anderes Handy: Dessen Empfang am selben Ort war einwandfrei. Fazit: Mit i-Mode gelingt zum ersten Mal unterwegs der Zugriff auf ein buntes und bewegtes Internet. Aber was nützen die schönsten Bilder und Animationen, wenn sie durch einen schlechten Empfänger im Handy nicht den Weg auf das Display finden können? Neue, für die Nutzung von i-Mode taugliche Mobiltelefone werden dieses Problem hoffentlich bald lösen.
Was es Kann
Seit März bietet E-Plus hierzulande i-Mode an. Für Japaner ist das mobile Multimedia-Erlebnis bereits ein alter Zopf. Sie können schon seit Februar 1999 per i-Mode mobil im Internet surfen – über 30 Millionen tun dies inzwischen. Kein Wunder, dass mit dem NEC n21i auch das erste i-Mode-Handy aus dem Land der aufgehenden Sonne stammt. Mit ihm können deutsche i-Mode-Nutzer derzeit auf rund 500 Web-Seiten von über 70 Inhalte-Anbietern zugreifen und sich eine Fülle von Internet-Angeboten auf das große Farbdisplay des Telefons laden: etwa aktuelle Nachrichten, Stauprognosen, Fahrplaninfos, Partytipps oder Erotikbildchen. Man kann per i-Mode chatten, E-Mails versenden und Bankgeschäfte erledigen. Der Datenstrom zwischen Handy und Web fließt über den GPRS-Standard. Die Verbindung ins Internet kann bei i-Mode ständig bestehen bleiben, wodurch auch so genannte Push-Dienste möglich sind: Falls gewünscht, wird man automatisch informiert, wenn beispielsweise der Wetterbericht Frost vorhersagt oder die Lieblingsserie im Fernsehen beginnt.
Was es Kostet
Nutzer von i-Mode bezahlen bei E-Plus eine Grundgebühr von 3 Euro im Monat. Zusätzlich fallen für das Versenden einer E-Mail 19 Cent plus die Verbindungskosten für den Datentransfer über GPRS an. Diese betragen einen Cent pro Kilobyte – auch beim Herunterladen von Bildern. Wer sich bei kostenpflichtigen Web-Angeboten anmeldet, muss weitere Ausgaben einkalkulieren: je nach Angebot zwischen 25 Cent und 2 Euro pro Monat. Das NEC-Handy n21i bekommt man beim Abschluss eines i-Mode-Vertrags für 249 Euro.
Cynthia Mouchbahani




