Drucker, Tinte, Papier: Das goldene Dreieck des Heimdrucks bereitet Entwicklern im Fotolabor Kopfzerbrechen. Denn der Heimdruck etabliert sich immer mehr und könnte den Fotofinishern – Labors, die Filme entwickeln und Abzüge anfertigen – schon bald ein dickes Stück vom 2,7 Milliarden Mark dicken Umsatzkuchen wegnehmen. Alles, was man dafür benötigt, ist die Speicherkarte aus der Digitalkamera. Von ihr bekommt der Drucker alle Informationen, die er zum Ausdrucken des Fotos braucht.
Das größte Hindernis für eine breitere Nutzung des Heimdrucks ist der hohe Preis der Bilder. Selbstgedruckte Farbbilder kosten das Dreifache konventioneller Abzüge aus Großlabors – ein 10 mal 15 Zentimeter großes Foto zum Beispiel mehr als eine Mark. Zudem stellt sich der Fachhandel auf eine wachsende Nachfrage nach digitalen Bildern ein: Mini-Labs drängen auf den Markt, mit denen man digitale Fotografien konventionell entwickeln kann – und die können bei den Kosten mit der herkömmlichen Entwicklung im Fotolabor mithalten. Einige Händler nehmen inzwischen auch übers Internet Bildbestellungen entgegen. Seit etwa anderthalb Jahren können Bilder aus Tintenstrahldruckern mit Abzügen aus dem Fotolabor mithalten. Bei der Kennzeichnung der Qualität verabschiedete sich Hewlett Packard schon vor einigen Jahren von der dpi-Zahl, dem bislang gängigen Maßstab für die Auflösung, und führte PhotoRet als neuen Modus ein. Nicht das feinste Rastergitter dient mehr als Kriterium für Auflösung und Qualität eines Bildes, sondern die Farbenvielfalt in einem einzelnen Punkt. „Wir setzen 29 Minitropfen von je 4 billionstel Liter auf einen Punkt”, sagt Produktmanagerin Jasmin Schrenk, „damit bekommen wir über 3500 Farbschattierungen.”
Bei der Konkurrenz – Canon, Lexmark, Epson – benetzen dagegen höchstens drei Tropfen einen Punkt – nur acht Farbschattierungen sind möglich. Dennoch ist der Gesamteindruck ähnlich. Nur mit der Lupe fällt die feine Rasterung des Bildes auf. Der entscheidende Vorteil von PhotoRet: Ein Bild braucht weniger Speicherplatz, es kann schneller bearbeitet und gedruckt werden. Zudem ist weniger Tinte nötig – einer der großen Kostenfaktoren im digitalen Heimdruck. Dabei ist die Herstellung der Tintenpatronen nicht teuer. „Die Farbpatronen, die derzeit mehr als 50 Mark kosten, sind nur drei Mark wert”, sagt der Mikrolithografie-Experte Manfred Schrey aus dem Fachbereich Fotoingenieurwesen der Fachhochschule Köln. Würden die Patronen zu diesem Preis angeboten, wäre das der „Tod für die Fotofinisher”.
Die Argumente der traditionellen Fotolabors verlieren ohnehin ständig an Schlagkraft. So ist etwa der Farbraum – die Summe aller Farben, die erfaßt oder gedruckt werden können – bei den Tintenstrahldruckern schon größer als bei vielen Kleinbildfilmen, stellte Schrey in einer Studie für den Filmhersteller AGFA fest. Nur der getestete Film von Fuji konnte hochwertige Farb-Heimdrucker hier überbieten. Auch die Auflösung, die klassisches Fotopapier mit seinen 300 dpi bietet, wird von den meisten Druckern weit überboten. Damit die Bilder nicht rasch verblassen und sich wie konventionell entwickelte Fotos archivieren lassen, haben die Hersteller von Tintenstrahldruckern ihre schwarze Tinte mit Pigmenten angereichert – kleinen Kügelchen, die auf der Oberfläche des Papiers haftenbleiben. Während herkömmliche Tinte die Ausdrucke etwa 15 bis 20 Jahre lang konserviert und konventionelle Fotoabzüge zirka 50 Jahre überdauern, übersteht die so aufgepeppte Tinte das ganze 21. Jahrhundert, ohne blaß zu werden. Ein weiterer Vorteil der pigmentierten Tinte: scharfe Konturen selbst auf Recyclingpapier. Epson mischt als bislang einziger Hersteller auch der bunten Tinte Pigmente bei. Sie sind mit einer Harzschicht umgeben. Der Kontakt mit dem Papier löst eine chemische Reaktion aus, und der farbige Ausdruck wird von einer schützenden Harzhülle umgeben.
Die Heimdruck-Branche hofft auf einen Boom durch die Digitalfotografie. Fast jede zweite Mark im Kamerasektor wurde im Jahr 2000 für digitale Kameras ausgegeben – fast doppelt soviel wie noch im Jahr zuvor. Bislang hält sich die Verlagerung in den digitalen Druck von Bildern aber noch in Grenzen, auch wenn manche Fotofinisher bereits auf den digitalen Markt umsatteln. So konstatiert Hubert Rothärmel, Vorstandsvorsitzender von Cewe Color, daß nur ein Prozent aller Aufträge eine digitale Bearbeitung betreffen. Der Anteil am Umsatz bewege sich bei Cewe – einer der Branchenriesen, der jährlich über 80 Millionen Filme entwickelt – in den nächsten Jahren allerdings auf etwa fünf bis zehn Prozent zu. Gute Chancen haben nach Ansicht von Rothärmel die Digitalen Mini-Labs. Ihre Vorteile gegenüber Heimdruckern: Kosten- und Zeitersparnis. Kunden können mit der Speicherkarte zum Fachhandel gehen oder die Inhalte der Karte online einsenden. Im Labor werden die Daten für einen konventionellen Abzug aufbereitet – ein Service also gerade für jene, die nicht lange an Bildern herumbasteln, auf Ausdrucke warten und die weniger Geld für ihre Bilder ausgeben möchten. Doch auch für den Computer-Laien gibt es jetzt eine Heimlösung: das Print Image Matching von Epson. Die Speicherkarte merkt sich den beim Fotografieren eingestellten Modus und gibt ihn an den Drucker weiter, der die ideale Farbeinstellung für das Bild sucht.
Andreas Schmitz




