Im Frühling verführen männliche Strumpfbandnattern ihre Konkurrenten, indem sie wie Weibchen duften. Rick Shine von der Universität Sydney und seine Kollegen können jetzt dieses bislang verwirrende Phänomen erklären. Frisch aus dem Winterschlaf erwachte Männchen sind noch zu träge für die Fortpflanzung. Solange sie keine Chance haben, ein Weibchen zu begatten, produzieren sie weibliche Duftstoffe, die ihnen selbst die Lust auf Sex nehmen. Gleichzeitig sind die Transvestiten attraktiv für andere Männchen, die so daran gehindert werden, sich um ein echtes Weibchen zu bemühen. Die duftenden Männchen sparen Kraft für den Liebesakt und erhöhen zugleich ihre Chance, wenn sie „ ausgeschlafen” sind, auf eine unbegattete Schlangenfrau zu treffen. Am nächsten Morgen, beobachtete Shine, sind die Pseudo-Weibchen wie verwandelt. Ohne Duftstoffe sind sie feurige Liebhaber – wenn sie nicht selbst auf eine Fälschung hereinfallen.
Rüdiger Vaas




